Diese Seiten sollen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen von Unterwegs beinhalten. "Unterwegs" bedeutet in diesem Falle, die Strecke zwischen Vientiane, Laos und Bürglen, Uri. Das Abenteuer mit dem Motorrad von Laos in die Schweiz zu fahren startet am 23. April 2011 und wird voraussichtlich 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen ab und zu auf der Seite zu verweilen und in den Zeilen zu schmökern...

Samstag, 16. Juli 2011

Die Fähre, 72-h race und cha-cha

Nach einer Woche Warterei, einigen verpassten Chancen und weiteren Problemen beim Ticket lösen, war es dann am Sonntag 3. Juli endlich so weit. "Es gibt eine Fähre, sie fährt um Mitternacht und es hat noch Platz". So einfach kanns doch sein. Tja, da das Personal am Hafen an der Kasse aber Sonntags normalerweise nicht arbeitet, gab's da doch noch so einige Problemchen. Nach einigen Telefonaten einer hilfsbereiten Angestellten des Ticketoffice wurden aber die entsprechenden Leute organisiert und wir packten unsere Sachen und fuhren um Mitternacht zum Hafen. Dann ging der Spiessroutenlauf um die Formulare und Stempel los. Von einem Häusschen zum nächsten wurden wir geschickt. Da war einer wieder mal gerade am Essen......warten für eine Stunde....Customs....Stempel....Fireinspection.....den Typ um morgens um drei aus seinem Kabäusschen geklopft, die Bikes hat er nie gesehen, aber die Stempel hat's gegeben. Fahrzeuginspektion.....hmmmmm, der Typ ist am pennen, braucht ihr nicht zu machen. "OK!!!". Dann geht's hier zur Gepäckinspektion....oder doch nicht???....oder wie???.....die Angestellten dort hatten etwa gleich viel Ahnung vom Vorgang mit Motorrädern wie wir und so war es dann 06.30 Uhr als wir endlich alles beisammen hatten und auf die Fähre tuckerten. Geschafft!!!! Nach 24h Überfahrt und noch 4 weiteren Stunden Zollabwicklung am anderen Ende war es geschafft, die Reise kann weitergehen.

Die Fähre

Geschafft! The other side of the Caspian Sea - Baku
Jetzt kann ich in Aserbajian mein hart erkämpftes 30 Tage Visum auskosten. Denkste!!! Natürlich gabs da wieder einen Stolperstein. Da für die Bikes extra Bedingungen herrschen bekam ich ein eigenes Formular fürs Moped....in 72h muss das Motorrad Aserbajian verlassen!!! Suuuuuuuuuper Sache. Damit beginnt die Ralley Baku-Tiflis. Da Aserbajian nicht so gross ist, war das fahrtechnisch nicht so eine Sache, aber Schade war's dass man so nicht viel vom Land mitbekommen hat. Einen Tag Baku angeschaut und dann gings ab auf die Piste. Tja, dann hald mehr Zeit in Georgien.

Und diese Zeit in Georgien war wirklich sehr schön. Ich war ein paar Tage in Tiflis, hab dort einige andere Reisende getroffen, die mir diverse Spots nahegelegt haben. Und so machte ich mich die nächsten Tage darauf die abgelegene Berglandschaft Georgiens zu erkunden. Ich fuhr auf einer Schotterpiste auf einen 3000 m hohen Pass und nach Omalo, ein kleines Bergdorf in der Tushetiregion. Dort spannte ich ein paar Tage aus und hab mit zwei Israelis, welche ich dort getroffen habe, noch eine Tour mit Pferden gemacht (nach dem das ja in Kirgistan nicht klappen wollte). War super mit den Pferden, bis es dann in der Hälfte der Strecke zu Regnen anfing. Dann haben wir aber die berühmte georgische Gastfreundschaft erfahren dürfen. Wir suchten bei einem Haus Unterschlupf vor dem Regen und wurden sogleich zum Essen und Trinken eingeladen. Eine Gruppe junger Leute aus Tiflis, waren hier für eine Woche in den Bergen in den Ferien. Wir haben mit ihnen zusammen am Tische gesessen, welcher mit Speisen überhäuft war, es gab Bier, Wasser und Cha-Cha dazu. Letzteres Feuerwasser hatte es in sich und vor jedem Glas gab's eine Ansprache, denn der Georgier trinkt nie ohne Grund. So stiessen wir auf unsere Familie, Freunde, Gesundheit, Jesus, uns selbst, Georgien, Gastfreundschaft und was weiss ich noch alles an....und da die Gläser immer mehr gefüllt wurden, kam der Alkoholpegel schon langsam in illegale Höhen. Gut hatten wir unsere Pferde und die wussten den Weg, so mussten wir uns nach der Verabschiedung von unseren Gastgebern nur noch auf die behuften Vierbeiner schwingen, uns gut festhalten und der Rückweg war eine sicher Sache. Wie ich von anderen Reisenden gehört hab, geht das in den georgischen Bergen immer so zu. So kann eine 2-stündige Wanderung schon mal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, da man bei jeder Hütte, an der man vorbeikommt, zu Cha-Cha und Essen eingeladen wird. Nichts für zügige Wanderer also, aber auf jeden Fall eine Erfahrung für sich.

Reitabenteuer

Unsere Gastgeber in den Bergen
Passstrasse nach Omalo

Wie's der Zufall so wollte habe ich in Omalo oben noch einen Ex-Motocrossweltcupfahrer aus Österreich getroffen. Er war mit seiner massiven KTM Adventure 990 in die Berge gefahren und wir haben uns prächtig unterhalten und er hat mir noch ein paar Tips gegeben. Auf dem Weg zum Pass hoch, kam mir am Vortag schon ein Motorradmechaniker aus Tiflis entgegen, der mich dazu aufforderte, ihn in Tiflis zu besuchen. So hatte ich bei Wiederankunft in Tiflis dann schon eine Unterkunft und verbrachte einige Tage mit ihm. Wir schraubten etwas am Bike herum und machten Tagestouren in der Umgebung. Auf einer dieser Touren trafen wir dann noch zwei estische Motorradfahrer und die wurden dann sogleich ins Boot mit eingeladen. So fuhren wir dann zu viert noch einen Tag herum bevor ich mich dann wieder auf den Weg machte.

Heinz Koller - Ex-Motocrossweltcupfahrer
Nun sitz ich in Batumi an der georgischen Schwarzmeerküste und hatte gestern schon mit ein paar Georgiern einen netten Abend der sich bis um 7 Uhr morgens hinzog. Geendet hat das Ganze bei Bier, Wurst und Brot bei ihnen zuhause. Die Gastfreundschaft in diesem Land ist echt der Hammer. Aber da alles auch mal ein Ende hat, werde ich mich morgen zur letzten Etappe meiner Reise aufmachen. Es geht in die Türkei und von da dann weiter an der Adriaküste hoch nach Kroatien. Aber zuerst sicher mal zwei Wochen Türkei, mit einem Städtetrip nach Istanbul....

Weitere Einzelheiten dazu im nächsten Post......
Tschau Tschau

Samstag, 2. Juli 2011

Sittin' on the dock of the bay....

"No ferry this week, mayyyybeeee next week", mit diesen Worten wurde ich am letzten Montag hier in Aktau empfangen. Seit dem warte ich hier am westlichen Ende Kazachstans am kaspischen Meer darauf, dass irgendwo am Horizont doch nochmal so ein Dampfer daher kommt. Gestern bin ich dann noch mal zum Hafen hin um mich zu erkundigen. Nach dem ich zu zwei Stunden Warterei verdonnert wurde bekam ich dann am Schluss die Info, dass an diesem Freitag eine Fähre gewesen wäre, die aber leider schon voll ist. Aha, das war wohl nichts mit dem ersten Eintrag auf die Liste und "We call you when there is a ferry", so hab ich dieses Ding wieder verpasst. Nun bin ich aber offiziell auf der Liste des Hafens, mit Registrierung des Bikes und allem und muss nun noch 3-4 Tage warten, dann sollte es losgehen. Hab dann am Hafen noch zwei französische Radfahrer getroffen, welche von Peking nach Hause unterwegs sind und das gleiche Schicksal teilen und später kam dann noch eine andere 4-köpfige Truppe dazu, welche mit drei Seitenwagenmotorrädern von Shanghai nach Paris unterwegs sind. Nun sitzten wir alle im gleichen Boot, das heisst dies bleibt zu hoffen, da wir alle auf die nächste Fähre warten.

Die Warterei ging aber eigentlich bis jetzt recht schnell über die Bühne. Ich hab am ersten Abend hier in Aktau ein nettes Kazachenpäärchen (Oleg und Jane) kennengelernt, die mich hier tatkräftig unterstützen. Sie halfen mir ein Hotel zu finden und zeigten mir eine Garage wo ich kleine Unterhaltsarbeiten am Bike vornehmen kann, führten mich zum Essen aus und fuhren mich zu diversen Stränden. Vorgestern war aber die Krönung des Ganzen: Ich wurde von den beiden in einem alten Lada 4x4 abgeholt und wir fuhren zum Markt, 2 kg Fleisch gekauft und noch etwas Gemüse. Dann fuhren wir ein bisschen ausserhalb der Stadt zum Strand. Oleg gab mir dann Taucherbrille, Flossen, Handschuhe und einen Plastiksack und wir stürzten uns ins Meer um nach "Crayfishs" zu suchen. Also tauchten wir runter und hoben Steine hoch und fingen die kleinen Krebstiere, welche sich darunter versteckten ein und steckten sie in die Tüte. Nach 30min hatten wir beide den Sack voll und gingen an Land. Dort wurde Wasser in einem Eimer überm Feuer aufgekocht und dann das Getier ihrem Schicksal übergeben. Nach 10min waren sie fertig und wir begannen unsere selbst gefangene Vorspeise zu essen. Danach gabs noch 2 kilo Shashlik und wir waren alle satt. Beim nächtlichen Schwumm im Meer sahen wir dann noch eine Schlange im Wasser, welche wir an Land drängten und ich dann, Crocodile Hunter mässig, mit meinen eigenen Händen gefangen habe. War das erste mal, dass ich überhaupt eine Schlange in Händen hielt und sie gleich selbst zu fangen war natürlich ein bessonderes Erlebnis. Da soll noch einer sagen, dass Fernsehn nicht bildet. Wie oft hab ich Crocodile Hunter bei seinen tollkühnen Schlangenaktionen über die Schulter geschaut und so war das kein Problem die Schlange zu fassen. Da wir alle schon satt waren, wurde die Schlange dann nicht gekocht :-) Nee, nee, hatten wir auch gar nie vor. Wir entliessen die kleine wieder in ihren natürlichen Lebensraum.

Voll bewaffnet auf Krebsfang

...und so sah das Getier dann aus

gemütliches Krebschenpick-nik

Hauptspeise: Shashlik, mmmhhhhhhhh

Unser Spot


meine erste selbst gefangene Schlange
Danach war der Abend gelaufen und wir fuhren zurück. Dann wurde wieder eines dieser Rätsel der Welt aufgedeckt: Ein Lada eignet sich nicht unbedingt um Sanddünen hochzufahren. Und so waren auch noch drei andere Pick-ups sich am Hügel erklimmen zu versuchen. Und sie alle scheiterten. So spannten wir zusammen und schoben eine Karre nach der anderen den kleinen Sandhügel hoch.....war das ein Krampf. Dann war aber wirklich Schluss und ich wurde zurück ins Hotel gebracht. What a day!!!!

The lovely persons, who made that all possible
Oleg and Jane, thanks a lot
Man kann sich also durchaus schlechtere Plätze zum Warten auf eine Fähre aussuchen als Aktau....