Diese Seiten sollen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen von Unterwegs beinhalten. "Unterwegs" bedeutet in diesem Falle, die Strecke zwischen Vientiane, Laos und Bürglen, Uri. Das Abenteuer mit dem Motorrad von Laos in die Schweiz zu fahren startet am 23. April 2011 und wird voraussichtlich 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen ab und zu auf der Seite zu verweilen und in den Zeilen zu schmökern...

Montag, 30. Mai 2011

Dree Keneesen met dem Kentrebess

Die letzten zwei Wochen (man beachte das Datum!!!) fegten wir über die verschiedenen Ebenen des chinesischen Nordwestens. Da wir noch eine nicht geplante Detour nach Xining machen mussten haben wir die Tagestrips etwas verlängert und ungefähr 600-700km pro Tag auf dem Asphalt hinter uns gebracht. Da, einmal in einer neuen Ebene drin, sich die Landschaft für Stunden nicht wirklich veränderte, war uns der Eilkurs auch von der Seite her recht. Wir kamen nun vom tibetischen Hochplateau hinunter in wärmere Gefilde (so dachten wir). Doch die nächsten Tage von Golmud über Xining bis nach Duonhong waren mit die kältesten des ganzen Trips. Wir hatten Schneegestöber auf 3700 m.ü.M., eisige Winde in den Ebenen und vereiste Fahrbahn, da gefriert dir glatt der Schnurrbart....aber irgendwann war es dann vorbei mit der Kälte und so standen wir einen Tag später schon wieder am Rand der Taklamakamwüste, entlang welcher wir uns den Weg Richtung Kashgar bahnten. Vom tiefsten Punkt unserer Reise an, Turpan (-50 m.u.NN.) war das Klima dann wesentlich anders. Hier war sengende Hitze, Sandsturm und glühender Asphalt die Tagesordnung. Z.T. fühlte man sich mehr in einem Segelboot als auf einem Motorrad, da man sich so stark in den Wind legen musste um noch auf der Spur zu bleiben. Aber die Schweizer unter uns (schliesslich sind wir ja eine Segelnation – Alinghi sei Dank) wussten wie man hart am Wind fährt und so liessen wir uns dadurch nicht beirren. Als wir dann aber mal einen Tag mit Rückenwind erwischten, fegten wir nur so über die Strasse und der Geräuschpegel im Helm war auch schon wesentlich angenehmer.

Schneegestoeber auf 3700 m.u.M.

That's a "great" wall


Wir erfuhren so in den letzten zwei Wochen die verschiedenen Gesichter von China auf sehr eindrucksvolle Weise. Das Dargebotene reichte noch weiter als bei den „Dree Keneesen met dem Kentrebess“ und so wurden Schnee, Nässe, Eis, Kälte, Yaks, Schafe, karge Steppen und Buddhistische Tempel binnen Tagesfrist mit saftigen Gräsern, Oasen ähnlichen Dörfern, Alleen gesäumten Strassen, trottenden Kamelen, Hitze pur, Karavanen-Wüsten-feeling und dem orientalisch-muslimisch angehauchten Bazargetümmel ausgetauscht. Dies Alles brachte uns an die Grenzen des Aufnehmbaren und so zogen wir einige Tage Rast in Kashgar ein, so wie das bei den Karavanen in den alten Tagen auch der Fall war. Kashgar war einer der Knotenpunkte auf der alten Seidenstrasse und bis heute ist dieser Geist von Händlertum, Austausch von Kulturen und Gastfreundschaft spürbar. Von hier aus wird uns unser Weg dann Richtung Kirgistan führen und so mussten auch noch ein paar administrative Dinge mit dem Grenzübergang geklärt werden.
Unsere ersten Kamele

Reb(berge) in Turpan


Wassermangel - nicht nur im Boden

Inzwischen verbrachten wir die Zeit in Kashgar mit Viehschau auf dem grossen Viehmarkt, wo wir die Fettarschschafe (der biologisch, lateinische Name wird wohl leicht anders sein) betrachteten oder erneut um ein weiteres Messer vom Bazar handelten und feilschten, bis wir dann am Schluss wieder einmal „GOOD KNIFE THIS IS, ONLY KNIFE LIKE THIS ON MARKET“ erstanden hatten (Horst und ich brachten es zusammen auf fünf Messer, aber auf jeden Fall alle ihr Geld wert :-) )
Aliens beim Fruechte kaufen - immer wieder eine Attraktion


Die Fettarschschafe


Nebst all dem Vergnügen mussten auch noch einige Kleinigkeiten an den Bikes gemacht werden. Über Kontakte, welche wir über ein paar chinesische Biker von Unterwegs bekommen hatten, fanden wir ein paar Typen, die uns ihre Garage für den Unterhalt zur Verfügung stellten. Da einer von ihnen noch Mechaniker war half er Boris auch gleich dabei sein Öl triefendes Moped zu überholen. Am Ende haben wir uns mit den Guys angefreundet, sie haben uns noch ihre Sammlung alter Seitenwagenmotorräder gezeigt und da wir noch auf der Suche nach einer Fahrgelegenheit für einen Ausflug nach Tashkurgant waren, bot sich einer von ihnen noch als Fahrer an. So hatten wir wieder mal die Eierlegendewollmilchsau gefunden und der Trip nach Tashkurgant und zum Karakolsee war ein absoluter „winner“.

Gletschtersee beim Karakolsee

Jolly 2 und ich unterwegs
Chan, unserer Fahrer, hat uns sehr gut betreut, obwohl er kein Wort englisch konnte. Er hat uns auf Seitenwegen noch mit seinem Mazda Coupé über Schotterstrassen zu einem Gletscher hochgefahren, uns zu einem guten Restaurant geführt und ist mit uns über die Hochebene bei Tashkurgant gelaufen, nach dem wir die Steinruinen der alten Stadt besichtigt hatten. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Ausritt mit dem „echten“ Jolly Jumper um den Karakolsee gemacht und ich musste feststellen, dass ich wohl doch noch etwas mehr Übung auf einem Pferd brauche, bevor ich meinen Jolly Jumper gegen sein natürliches Pendant eintauschen könnte um die Tour zu Ende zu bringen. Aber es war eine schöne Sache.

Somit war die Zeit in Kashgar schon bald zu Ende und mit ihr gingen auch die fünf Wochen China dahin. Es war eine sehr erfahrungsreiche und eindrucksvolle Zeit in diesem riesigen und abwechslungsreichen Land mit seinen vielen freundlichen Menschen, dem guten Essen, den atemberaubenden Landschaften, den speziellen Hotelausstattungen („Watch out for Landslide“)
 und Tankgewohnheiten, der spirituellen Seite, den Klima- und topographischen Extremen und den allgegenwärtigen Vorschriften und der Bürokratie.

Nun schauen wir aber vorwärts Richtung Kirgistan und freuen uns darauf mal nicht nach Plan und Route gehen zu müssen, keinen Guide und einen ganzen (Überwachungs-)Staat im Rücken zu haben und unsere Freiheit zu geniessen. Mal sehen wie das wird....

Mittwoch, 18. Mai 2011

What a beauty!!!!

Nach einigen erholsamen Tagen in Lhasa setzten wir unsere Reise Richtung Norden fort. Nach einem halben Tag Fahrt machten wir einen kleinen Abstecher weg von der Hauptstrasse, über einen weiteren 5000er hinein in die Ebene des Nam-Tso. Der Nam-Tso ist ein auf 4700 m.ü.M. gelegener alpiner und leicht salzhaltiger See. So viel wussten wir vor der Abfahrt. Als wir den Pass nach ein paar Stunden erklommen hatten erhaschten wir einen ersten Blick des Nam-Tso und der Ebene in der er liegt. Der Anblick und auch die Höhe des Passes raubten uns den Atem. Wir bestiegen dann noch einen kleinen Hügel neben der Passhöhe. Mannomann war dat anstrengend. Mein Respekt für all die Mt. Everest besteigenden Cracks ist nach diesem kleinen Vorgeschmack massiv gestiegen. Da bleibt dir echt die Spucke weg. Kurz mal hundert Höhenmeter hinauf gekrackselt und schon fix und fertig, aber die Aussicht hat sich gelohnt.

Nach dem erfolgreichen Aufstieg (ohne Sauerstoffflasche)
Die Strasse führte uns dann über die Ebene, vorbei an Yurten, weidenden Yaks und auf Pferden dahin galopierenden Tibetern zum See. Als wir dort ankamen viel uns vor Verblüffung fast die Kinnlade runter. Der See war einfach absoluter Oberhammer. Ein Gefühl wie in der Karibik, wenn man die Farbe anschaut, doch dann erfasst man mit dem nächsten Blick die schneebedeckte Bergkette im Hintergrund und muss sich gedanklich reseten. Neee, nicht Karibik, Tibet in China....neeeee, nicht Meereshöhe sondern 4700 m.ü.M. Wenn man das dann einigermassen in seinen Schädel rein gebracht hat, ist die Kinnlade zwar immer noch unten, aber man weiss wenigstens wieder wo man eigentlich ist. Auf jeden Fall waren wir uns einig, das ist wieder ein absolutes Highlight unserer Tour.

Karibikfeeling in Tibet -  Nam-tso

Fehlen nur noch die Badehose und die Palmen

Die unerschrockenen Jungen (Conny, Boris und Ich) entschlossen sich dann nach einem gemütlichen Abendbrot im yurtenmässigen Grosszelt, unser eigenes Zelt unten am See aufzustellen. Horst, welcher über solch jugendlichen Leichtsinn schon länger hinweg ist, entschloss sich für die Variante Yurtenzelt. So fuhren wir noch ein wenig um die felsige Halbinsel herum, wobei wir von verdutzten Yaks beobachtet wurden und suchten uns einen geeigneten Zeltplatz. Zelt aufgestellt und noch ein bisschen im Sonnenuntergang die Gegend erkundet, bevor wir uns nach einem letzten warmen Kaffee im Zelt verkrochen. Der Kaffee war dann bis zum Morgengrauen definitiv das letzte Warme was der Gisler verspürt hat.

Man merke:

                    Nächte auf 4700 m.ü.M. können arschkalt sein
                    wenn auf dem Schlafsack ein Aufdruck mit +5°C drauf ist, wird er dich schwerlich bei – 5°C warm halten
                    Bikeklamotten halten im Schlafsack drin auch nur bedingt warm
                    es gibt tatsächlich Unterschiede zwischen Billigzelten und ihren teureren Verwandten
                    eine Nacht ohne Schlaf ist auch eine Nacht
                    wird aber auf der Biketour nicht als solche gewertet, da die Reise trotzdem weitergeht
                    Schlafen im Zelt auf solcher Höhe ist mit Sicherheit ein Erlebnis

Yak Yak Yak

Nam-Tso im Sonnenuntergang

Auf dem Abendspaziergang

Tja, und schon hab ich wieder was für's Leben gelernt, man ist ja nie zu alt dafür. Aber der Sonnenaufgang und der Zeltplatz haben für die Mühen der Nacht allemal entschädigt. So haben wir uns am Morgen danach  vor Horst natürlich nichts anmerken lassen. Das wär ja wie der eigenen Mutter einzugestehen, dass sie wohl wieder mal recht gehabt hat mit dem Hinweis „Nimm aber einen Regenschirm mit, es regnet später vielleicht noch“ ….“Aacchhhhh was, da passiert schon nichts“ und drei Stunden später stehste wieder auf der Matte, pitsch nass und konterst „Mir macht der Regen nichts aus, hab ehh schon lange nicht mehr geduscht.“ Wie hat sie das wohl wieder voraus geahnt???“ Jaja, aber Onkel Horsti hat's dann doch durchschaut, aber uns unsere Würde gelassen. Auf alle Fälle war der Ausflug zum Nam-Tso eine suuuuper Sache, das wollt ich damit nur sagen.  

Unser "kuehler" Schlafplatz

Sonntag, 15. Mai 2011

Vom Dach der Welt

Schöne Aussicht von hier oben, kühle saubere Luft und ein Hauch Spiritualität, die einen umgibt. Lhasa, das religiöse Zentrum des tibetischen Buddhismus und früherer Sitz des Dalai Lama, bevor die Chinesen den Laden aufgeräumt haben, faszinierte mich von Anfang an. Obschon der erste Blick auf die Stadt etwas ernüchternd ausfiel, da die chinesische Bauweise und Infrastruktur selbst vor den heiligsten Stätten keine Rücksicht nimmt und die freien Flächen zwischen den alten Gebäuden und Tempelanlagen mit neuen Läden, grossen Strassen und Fast Food Shops aufgefüllt wurde, kam beim genaueren Hinsehen der wahre Geist von Lhasa zum Vorschein. Im alten tibetischen Stadtteil sieht man hunderte von Pilgern, welche sich im Uhrzeigersinn ihren Weg durch die schmalen Gassen um die Tempelanlagen bahnen, leise Gebete vor sich her murmeln, oder sich immer wieder auf's Neue flach auf den Boden legen und beten. Alles in dieser Umgebung dreht sich um den Buddhismus und dessen Ausübung, man fühlt sich beim einfachen Zusehen schon irgendwie spirituell erleuchtet und spührt eine mystische Kraft, welche diese Orte umgibt. 
Pilgernde Tibeter

Die Krönung dieses Gefühls überkommt einen aber zweifelsohne beim Besteigen und Besichtigen des "Potala", dem einstigen Sitz des Dalai Lama. Die engen Gänge, steilen Treppen und riesigen Stupas kombiniert mit dem Geruch von Yakbutterkerzen, lassen einen fast in Trance durch diesen riesigen Palast wandern. Eine handvoll Mönche hier, Abbilder von früheren Dalai Lamas dort, Kerzenlicht durchflutete Räume, verwinkelte Gässchen, wieder eine steile Treppe, welche einen über ein labyrinthähnliches Wegsystem immer tiefer in die Gefilde eindringen lassen, all dies lässt einem beim Verlassen des Potalas mit erstauntem Blick zurück. Trotz oder gerade wegen seiner schieren Grösse, strahlt dieser Ort eine Ruhe und Gelassenheit aus, welche sich auf jeden Besucher überträgt. So schlängeln sich Touristenströme in völliger Ruhe durch diesen Tempel, um vielleicht irgenwo noch einen Gebetsstoss eines Dalai Lamas zu erhaschen, oder vielleicht auch nur weil ihnen vor Erstaunen die, schon so sehr dünne, Luft wegbleibt. Auf jeden Fall war dies eine sehr berührende Erfahrung.


Potala - Sitz des Dalai Lama bis zur Revolution 1959
Aufstieg zum Dach der Welt
Neben dem Potala gibt es in der näheren Umgebung aber noch weitere Klöster, welche vor der Revolution z.T. bis zu 7000 Mönche beherbergten. Zurzeit leben dort noch rund 600 Mönche und die Zahl wird durch chinesische Politik reguliert. Wir hatten das Glück im Sera-Kloster Zeugen einer Mönchsdebatte zu werden. Die Mönche versammelten sich im Innenhof des Klosters, die einen sitzend, die anderen stehend. Dann fingen die Diskussionen durch lautes Klatschen begleitet an. Die stehenden Mönche bombardierten die sitzenden mit Fragen, welche hungrig nach Antworten lächzten. Begleitet wurden diese Fragen durch eben dieses Klatschen. So kam in diesem Hof eine sehr spezielle Stimmung auf. Rund hundert Mönche quaselten wild durcheinander, bald ruhig, bald von der eigenen Energie überwältig, stürtzten sie sich in wilde Diskussionen mit ihrem Gegenüber. Die sitzenden Mönche versuchten dabei stets ihre Ruhe zu bewahren, während sich die Stehenden immer mehr in ihre Fragen hineinsteigerten. So sassen wir ruhig am Rande des Hofes und lauschten den Geschehnissen. Dann läutete eine Glocke und auf einen Schlag lösten sich alle Diskussionen auf, die Mönche sammelten sich alle in der Mitte und die Gäste (das waren wir) wurden gebeten zu gehen. Unser Guide sagte uns dann, dass nun Abgesandte der chinesischen Regierung den Mönchen eintrichtern, was sie wirklich zu denken hätten. Ich hoffe für das wohl der Mönche und der tibetischen Bevölkerung, dass sie dies nicht all zu sehr zu Herzen nehmen, aber da habe ich eigentlich keine Angst. 


Drepung Kloster - einst Heimat von 7000 Mönchen

Energie geladener Mönch im Sera Kloster...


...und die Diskussion ging weiter

All die Diskussionen machten Hunger und so genehmigte ich mir eine Portion Yakhaxen mit Kartoffeln. Leider freute sich mein Magen weniger über diese Mahlzeit und so verbrachte ich den ganzen nächsten Tag im Hotelzimmer ans Klo gefesselt. Einen Tag später, drei Kilo leichter und ein paar Suppen im Magen, ging es mir aber schon wieder besser.

Lhasa ist auf alle Fälle ein sehr spezieller Ort, wo es viel zu entdecken gibt, sei es in den verschiedenen Tempeln und Klöstern oder sei es in sich selbst und  seiner eigenen Spiritualität. Morgen werden wir diesen Ort wieder hinter uns lassen, doch ein Stück davon wird uns sicher auf der Reise begleiten und uns Schutz vor allen Gefahren auf dem weiteren Weg spenden.


Den Segen der Mönche im Gepäck, wird der Rest der Reise
wohl zum Kinderspiel

Mittwoch, 11. Mai 2011

News Flash!!!

- Sind nach 4000km in Lhasa angekommen und werden hier einige Tage verweilen. Bis jetzt gab es keine grösseren Zwischenfälle und alle sind wohlauf

- mehr Fotos vom "Geilomat-hoch-28-Tag"

Samstag, 7. Mai 2011

Geilomat hoch 28

Heute war mit Abstand der hammer-geilste Tag der Tour bis jetzt. Gestern war schon absolute Spitze, mit super Strasse und schöner Landschaft – cruiser feeling satt. Aber was unseren Augen und den restlichen Sinnen heute geboten wurde, war echte Oberklasse. Atemberaubend, wunderschön, von einem andern Stern, Superlative, welche nur eben knapp an erlebtes herankommen (Anmerkung der Redaktion: Folgende Zeilen wurden mit einem erhöhten Endorphin und Adrenalinspiegel geschrieben, überspitzte Darstellungen können somit nicht ausgeschlossen werden).

Über diese Brücke müssen sie kommen
 
Zuerst ging es von Markam (einem Ort ganz im Osten Tibets – die Grenze zu Tibet haben wir Tags davor erfolgreich überquert) 3900 m.ü.M. entlang einer Schotterpiste, welche einen noch mehr durchgerüttelt hat als wenn man mit dem Rollstuhl vom Bürgler Altersheim über die Pflastersteine in den Gosmermarkt düst (und JAAA, ich habe das mal ausprobiert :-)) auf den 5008 m.ü.M. gelegenen Pass. Sauerstoffflaschen montiert und ein bisschen Reinhold Messner mässig die Gegend erkundet, bevor wir dann auf die Suche nach einem Rastplatz für den Mittag gingen. Die Schotterpiste hatte dann doch irgendwann nach 150km noch ein Ende und wir gelangten ins Tal hinunter. Kurz davor hatte ich noch einen Schreckmoment, als mich ein belämmertes Schaf zu einer Vollbremsung in einer Kurve auf Kies gezwungen hat. Mit katzenartigen Reflexen vermochten Jolly J. und ich uns aus dieser misslichen Lage zu retten und so kamen wir beide mit dem Schock davon.
150km Schotterpiste

...doch der Pass naht
Mein erster 5000er - Passhöhe 5008 m.ü.M.
 
Zu Mittag gabs dann Stroganov mit Nudeln aus der Vakuumtüte, frisch zubereitet mit aufgebrühtem Flusswasser. Dat hat jut getan. Gestärkt nahmen wir den nächsten Abschnitt der Tagesetappe in Angriff und als ob der 5000 und ein paar zerquetschte Meter hohe Pass nicht schon genug der Mühen Lohn gewesen wäre, kam nun eine der atemberaubendsten Strecken, welche sich ein Mensch und speziell ein Motorradfahrer wünschen kann. Zuerst gings durch ein faszinierendes Tal mit meandrierendem Fluss, weichen Hügelübergängen und karger Vegetation immer weiter flussaufwärts. Pferde säumten das Flussufer und wurden bald durch Schafe, Ziegen oder yakähnlichen Kreaturen abgelöst. Die Sonne legte all dies in wunderschöne Farben und erwärmte unsere schon arg in Mittleidenschaft gezogenen Körper. Die Strasse war in top Zustand und so kam es, dass wir alle den Gashebel etwas aufschraubten und mit Wind im Haar über den Asphalt flitzten, vorbei an all dem Dargebotenen um nach jeder zweiten Kurve wieder fassungslos ob all der Schönheit der Natur stehen zu bleiben um erneut die Kamera zu zücken. Zuweilen kam in mir ein Glücksgefühl beim Fahren durch diese Landschaft zustande, welches ich auf diese Weise noch nie erlebt habe. Schwälle von Glückshormonen schienen sich wellenförmig durch den Körper auszubreiten, ich begann laut zu Jauchzen und zu singen, führte imaginäre Telefonate mit Freunden, mit welchen ich diese Augenblicke gerne geteilt hätte (Büschi, viellicht hesch ja epis gmerkt :-)) und so fuhren wir Stunden weiter, um bei jeder Ecke, jedem Hügel und jeder Kurve erneut überrascht zu werden. Immer dachten wir...“Ahhhhhh, das ist Hammer, so kanns bleiben, das kann ja nicht mehr besser werden“ um gleich bei der nächsten Kurve eines besseren belehrt zu werden. So kletterten wir von Talböden über weitere Hügel den nächsten Pässen entgegen und absolvierten nicht weniger als vier am heutigen Tag, wovon der kleinste etwas unter 4000m hoch war. Satte Wiesen, wechselten sich mit grünen Wäldern ab um bald darauf von Steppen ähnlicher Vegetation abgelöst zu werden und ab und zu erhaschte man wieder einen Blick auf schneebedeckte Berge in der Ferne.

Eines der schönsten Täler bis jetzt

Richtung Sonnenuntergang

Nicht nur, dass die Natur sich heute von der schönsten Seite gezeigt hat, auch die chinesischen Strassenbauer haben ihr ganzes können offenbart. So kamen wir am Schluss über eine letzte Kuppe um auf der gegenüberliegenden Seite den Inbegriff einer kurvenreichen Passstrasse zu erblicken. Für einen passionierten Violisten ist es wohl das Grösste auf einer Stradivari zu spielen, so ist diese Strasse wohl das höchste aller Gefühle für den Motorradfahrer. Geschwungen, in den Hang hineingelegt, Kurve um Kurve ein Genuss und dies alles mit frisch aufgesetztem Belag, extra für uns montiert, so schien es.


Ein Genuss für jeden Motorradfahrer

Voll im Fahrrausch drin vergassen wir ob all dem ein wenig die Zeit und so schrieb die Uhr schon fast 21.00 Uhr als wir in die Nähe unseres Tageszieles kamen. Horst's Licht ging kurz davor flöten und so nahmen wir ihn in Geleitschutz mit unseren Laternen, als das angepeilte Ziel aber irgend wie immer noch nicht kommen wollte und Horst auch noch der Sprit ausging, mussten wir handeln. So stiegen wir irgend wo im nirgendwo von unseren Pferden ab und gingen in die nächst gelegene Hütte um Rat fragen. Wir wurden dann herzlichst in das Haus gebeten und bei einem Gläschen Bier und viel Gelächter, sei es weil Fotos gemacht wurden, oder ob der schieren Grösse Boris', bekamen wir dann mit, dass das Dorf, nach welchem wir suchten, nur 10km entfernt sei. So verabschiedeten wir uns nach ein paar weiteren Gläschen Bier von unseren freundlichen Gastgebern mit ein paar Schokoladenstücken und Süssigkeiten für die Kinder und machten uns im Dunkel der Nacht auf, unser Etappenziel doch noch zu erreichen. Endlich angekommen - noch Benzin aus der Spritzkanne an der Tanke gezapft und ins Hotel eingecheckt. Nach einem super feinen und schnellen Abendessen, plumpsten wir fix und fertig in unsere Laken, auf dass der nächste Tag genau so spannend, überwältigend und erfüllend werde. Das war echt ein Geilomat hoch 28 Tag....

Guät Nacht zämä



Im Dunkeln gestrandet bei einer netten tibetischen Familie
 mit ihren Kindern




Montag, 2. Mai 2011

Von Yaks und weiten Ebenen

Bis jetzt war die zurückgelegte Strecke für mich mehr Mittel zum Zweck, obschon wir auch hier viel Schönes und Spannendes gesehen haben, sind es die hohen Berge, die Hochplateaus mit ihren bis zum Horizont hinreichenden Weiten, auf welche ich mich besonders freute. Als wir vorgestern unsere motorisierten Pferde weiter in die Höhe trieben, die Luft anfing dünner zu werden, einem ein kühler wind um die Ohren Pfiff und die Täler sich weiteten und zu Ebenen öffneten, kamen wir diesem Ziel schon ein ganzes Stück näher. Shangri-La heisst unser derzeitiger Aufenthaltsort, in dem wir ein paar Tage rasten. Einerseits bleiben wir hier etwas länger um uns mal von den Strapatzen der Reise zu erholen und um uns an die Höhe zu gewöhnen, andererseits müssen wir noch auf unseren neuen chinesischen Guide warten, welcher uns nach Tibet begleiten wird und die entsprechenden Permits bei sich hat. Da ich mir beim Erklimmen der Hochebene noch eine Erkältung eingefangen habe, passt mir die kurze Pause auch persönlich ganz gut um mich gut zu erholen. 

Voll eingepackt in mehrere, nach dem Zwiebelprinzip funktionierende, Schichten machten wir uns heute auf, die Umgebung von Shangri-La einwenig zu erkunden. Mit dem Motorrad fuhren wir über die auf 3300m Höhe gelegene weite Ebene und verschafften uns auf einem nahe gelegenen Hügel einen Überblick. Die Hochebene, welche sich über dutzende von Kilometern erstreckt wird von noch höheren Bergen eingerahmt und so hat man trotz der Weite das Gefühl nicht ganz verloren zu sein. Doch wird einem bei diesen Anblicken klar, dass man selbst nur ein winziger Teil in dem Ganzen ist, dass eigene Probleme nichtig sind, da unwichtig klein. Man richtet den Blick in die Ferne, obwohl man schon fern ist und wird nachdenklich. Der Wind bläst einem ums Gesicht, man zieht sich die frische Luft bewusst in die Lunge, wie ein Kettenraucher will man gar nicht mehr aufhören und zieht und zieht und zieht abermals dieses unsichtbare, unfassbare Medium in sich herein. Der Blick schärft sich, schweift von einem Ende der Ebene zum andern, man versucht zu begreifen, zu verstehn, sieht hölzerne Häuser, welche mit ihren massiven Holzstämmen als  Fundament zum ganzen ich-fühl-mich-so-klein-Bild beitragen, weiter schweift der Blick und tausende schwarze Punkte beginnen sich auf einmal zu bewegen...zottlig, fellig, hornig, vierfüssig....meine ersten Yaks. Diese putzig anmutenden Langharkühe, bevölkern neben Pferden und Schafen die ganze Ebene. Sie kommen ohne Zäune aus, sind gegen Witterung und Kälte geschützt und begnügen sich mit dem, was ihnen die Natur bereitstellt. So riskierten wir einen näheren Blick und brausten mit Jolly J. und Rocinante (das "Pferd" von Conny und Boris) über die Weiden, zwischen den verdutzten Yaks hindurch. Ein sehr erfrischender Ausflug.

Traditionelles Holzhaus im Bau

Hochebene bei Shangri-La

Mit Jolly J. durch die Prärie

Yak Yak Yak

Shangri-La, was wie ein kosmisch-idyllischer Ort anmutet, ist in Wahrheit tatsächlich eine sinnliche Erfahrung. Ein Ort um Kraft zu tanken, in sich zu gehen und sich gleichzeitig allem um uns herum zu öffnen. Bis jetzt ein absolutes Highlight der Reise, gut dass wir Zeit haben hier ein wenig zu verweilen.

Hüttengaudi in Lijiang

Nach dem wir das idyllische Dali verlassen hatten führte uns unser Weg weiter nach Lijang. Lijang ist wohl am besten mit einem touristisch stark frequentierten Challet Dorf in den schweizer Bergen zu vergleichen. Alles ist herausgeputzt und schön beleuchtet, man findet sowohl ruhige Cafés, wie auch hüttengaudimässige Stimmung mit Tanz und Gesang uuund tausende Chinesen, welche ihr eigenes Land erkunden. Lijiang wurde 1994 durch ein Erbeben fast komplett platt gemacht und danach, unter Verwendung der Überreste, wieder neu aufgebaut. Nun erstrahlt es in neuem Glanz und manch einer wird wohl den Charme der alten Tage vermissen. Doch hübsch anzusehen ist es allemal. Wie häufig in den letzten Tagen hat uns der Regen kurz vor Ankunft im Etappenziel noch eine kalte Dusche verpasst, aber dass Gewitter und Regenstimmung auch ihre schönen Seiten haben können, sahen wir später bei einem warmen Ingwer-Tee und Yakhäppchen in der Altstadt.

Das beleuchtete Lijiang

Ein Gewitter, das uns zum Glück nicht erwischt hat