Nach einigen erholsamen Tagen in Lhasa setzten wir unsere Reise Richtung Norden fort. Nach einem halben Tag Fahrt machten wir einen kleinen Abstecher weg von der Hauptstrasse, über einen weiteren 5000er hinein in die Ebene des Nam-Tso. Der Nam-Tso ist ein auf 4700 m.ü.M. gelegener alpiner und leicht salzhaltiger See. So viel wussten wir vor der Abfahrt. Als wir den Pass nach ein paar Stunden erklommen hatten erhaschten wir einen ersten Blick des Nam-Tso und der Ebene in der er liegt. Der Anblick und auch die Höhe des Passes raubten uns den Atem. Wir bestiegen dann noch einen kleinen Hügel neben der Passhöhe. Mannomann war dat anstrengend. Mein Respekt für all die Mt. Everest besteigenden Cracks ist nach diesem kleinen Vorgeschmack massiv gestiegen. Da bleibt dir echt die Spucke weg. Kurz mal hundert Höhenmeter hinauf gekrackselt und schon fix und fertig, aber die Aussicht hat sich gelohnt.
| Nach dem erfolgreichen Aufstieg (ohne Sauerstoffflasche) |
Die Strasse führte uns dann über die Ebene, vorbei an Yurten, weidenden Yaks und auf Pferden dahin galopierenden Tibetern zum See. Als wir dort ankamen viel uns vor Verblüffung fast die Kinnlade runter. Der See war einfach absoluter Oberhammer. Ein Gefühl wie in der Karibik, wenn man die Farbe anschaut, doch dann erfasst man mit dem nächsten Blick die schneebedeckte Bergkette im Hintergrund und muss sich gedanklich reseten. Neee, nicht Karibik, Tibet in China....neeeee, nicht Meereshöhe sondern 4700 m.ü.M. Wenn man das dann einigermassen in seinen Schädel rein gebracht hat, ist die Kinnlade zwar immer noch unten, aber man weiss wenigstens wieder wo man eigentlich ist. Auf jeden Fall waren wir uns einig, das ist wieder ein absolutes Highlight unserer Tour.
| Karibikfeeling in Tibet - Nam-tso |
| Fehlen nur noch die Badehose und die Palmen |
Die unerschrockenen Jungen (Conny, Boris und Ich) entschlossen sich dann nach einem gemütlichen Abendbrot im yurtenmässigen Grosszelt, unser eigenes Zelt unten am See aufzustellen. Horst, welcher über solch jugendlichen Leichtsinn schon länger hinweg ist, entschloss sich für die Variante Yurtenzelt. So fuhren wir noch ein wenig um die felsige Halbinsel herum, wobei wir von verdutzten Yaks beobachtet wurden und suchten uns einen geeigneten Zeltplatz. Zelt aufgestellt und noch ein bisschen im Sonnenuntergang die Gegend erkundet, bevor wir uns nach einem letzten warmen Kaffee im Zelt verkrochen. Der Kaffee war dann bis zum Morgengrauen definitiv das letzte Warme was der Gisler verspürt hat.
Man merke:
– Nächte auf 4700 m.ü.M. können arschkalt sein
– wenn auf dem Schlafsack ein Aufdruck mit +5°C drauf ist, wird er dich schwerlich bei – 5°C warm halten
– Bikeklamotten halten im Schlafsack drin auch nur bedingt warm
– es gibt tatsächlich Unterschiede zwischen Billigzelten und ihren teureren Verwandten
– eine Nacht ohne Schlaf ist auch eine Nacht
– wird aber auf der Biketour nicht als solche gewertet, da die Reise trotzdem weitergeht
– Schlafen im Zelt auf solcher Höhe ist mit Sicherheit ein Erlebnis
| Yak Yak Yak |
| Nam-Tso im Sonnenuntergang |
| Auf dem Abendspaziergang |
Tja, und schon hab ich wieder was für's Leben gelernt, man ist ja nie zu alt dafür. Aber der Sonnenaufgang und der Zeltplatz haben für die Mühen der Nacht allemal entschädigt. So haben wir uns am Morgen danach vor Horst natürlich nichts anmerken lassen. Das wär ja wie der eigenen Mutter einzugestehen, dass sie wohl wieder mal recht gehabt hat mit dem Hinweis „Nimm aber einen Regenschirm mit, es regnet später vielleicht noch“ ….“Aacchhhhh was, da passiert schon nichts“ und drei Stunden später stehste wieder auf der Matte, pitsch nass und konterst „Mir macht der Regen nichts aus, hab ehh schon lange nicht mehr geduscht.“ Wie hat sie das wohl wieder voraus geahnt???“ Jaja, aber Onkel Horsti hat's dann doch durchschaut, aber uns unsere Würde gelassen. Auf alle Fälle war der Ausflug zum Nam-Tso eine suuuuper Sache, das wollt ich damit nur sagen.
| Unser "kuehler" Schlafplatz |
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