Die letzten zwei Wochen (man beachte das Datum!!!) fegten wir über die verschiedenen Ebenen des chinesischen Nordwestens. Da wir noch eine nicht geplante Detour nach Xining machen mussten haben wir die Tagestrips etwas verlängert und ungefähr 600-700km pro Tag auf dem Asphalt hinter uns gebracht. Da, einmal in einer neuen Ebene drin, sich die Landschaft für Stunden nicht wirklich veränderte, war uns der Eilkurs auch von der Seite her recht. Wir kamen nun vom tibetischen Hochplateau hinunter in wärmere Gefilde (so dachten wir). Doch die nächsten Tage von Golmud über Xining bis nach Duonhong waren mit die kältesten des ganzen Trips. Wir hatten Schneegestöber auf 3700 m.ü.M., eisige Winde in den Ebenen und vereiste Fahrbahn, da gefriert dir glatt der Schnurrbart....aber irgendwann war es dann vorbei mit der Kälte und so standen wir einen Tag später schon wieder am Rand der Taklamakamwüste, entlang welcher wir uns den Weg Richtung Kashgar bahnten. Vom tiefsten Punkt unserer Reise an, Turpan (-50 m.u.NN.) war das Klima dann wesentlich anders. Hier war sengende Hitze, Sandsturm und glühender Asphalt die Tagesordnung. Z.T. fühlte man sich mehr in einem Segelboot als auf einem Motorrad, da man sich so stark in den Wind legen musste um noch auf der Spur zu bleiben. Aber die Schweizer unter uns (schliesslich sind wir ja eine Segelnation – Alinghi sei Dank) wussten wie man hart am Wind fährt und so liessen wir uns dadurch nicht beirren. Als wir dann aber mal einen Tag mit Rückenwind erwischten, fegten wir nur so über die Strasse und der Geräuschpegel im Helm war auch schon wesentlich angenehmer.

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| Schneegestoeber auf 3700 m.u.M. |
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| That's a "great" wall |

Wir erfuhren so in den letzten zwei Wochen die verschiedenen Gesichter von China auf sehr eindrucksvolle Weise. Das Dargebotene reichte noch weiter als bei den „Dree Keneesen met dem Kentrebess“ und so wurden Schnee, Nässe, Eis, Kälte, Yaks, Schafe, karge Steppen und Buddhistische Tempel binnen Tagesfrist mit saftigen Gräsern, Oasen ähnlichen Dörfern, Alleen gesäumten Strassen, trottenden Kamelen, Hitze pur, Karavanen-Wüsten-feeling und dem orientalisch-muslimisch angehauchten Bazargetümmel ausgetauscht. Dies Alles brachte uns an die Grenzen des Aufnehmbaren und so zogen wir einige Tage Rast in Kashgar ein, so wie das bei den Karavanen in den alten Tagen auch der Fall war. Kashgar war einer der Knotenpunkte auf der alten Seidenstrasse und bis heute ist dieser Geist von Händlertum, Austausch von Kulturen und Gastfreundschaft spürbar. Von hier aus wird uns unser Weg dann Richtung Kirgistan führen und so mussten auch noch ein paar administrative Dinge mit dem Grenzübergang geklärt werden.
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| Unsere ersten Kamele |
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| Reb(berge) in Turpan |
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| Wassermangel - nicht nur im Boden |
Inzwischen verbrachten wir die Zeit in Kashgar mit Viehschau auf dem grossen Viehmarkt, wo wir die Fettarschschafe (der biologisch, lateinische Name wird wohl leicht anders sein) betrachteten oder erneut um ein weiteres Messer vom Bazar handelten und feilschten, bis wir dann am Schluss wieder einmal „GOOD KNIFE THIS IS, ONLY KNIFE LIKE THIS ON MARKET“ erstanden hatten (Horst und ich brachten es zusammen auf fünf Messer, aber auf jeden Fall alle ihr Geld wert :-) )
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| Aliens beim Fruechte kaufen - immer wieder eine Attraktion |
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| Die Fettarschschafe |
Nebst all dem Vergnügen mussten auch noch einige Kleinigkeiten an den Bikes gemacht werden. Über Kontakte, welche wir über ein paar chinesische Biker von Unterwegs bekommen hatten, fanden wir ein paar Typen, die uns ihre Garage für den Unterhalt zur Verfügung stellten. Da einer von ihnen noch Mechaniker war half er Boris auch gleich dabei sein Öl triefendes Moped zu überholen. Am Ende haben wir uns mit den Guys angefreundet, sie haben uns noch ihre Sammlung alter Seitenwagenmotorräder gezeigt und da wir noch auf der Suche nach einer Fahrgelegenheit für einen Ausflug nach Tashkurgant waren, bot sich einer von ihnen noch als Fahrer an. So hatten wir wieder mal die Eierlegendewollmilchsau gefunden und der Trip nach Tashkurgant und zum Karakolsee war ein absoluter „winner“.
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| Gletschtersee beim Karakolsee |
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| Jolly 2 und ich unterwegs |
Chan, unserer Fahrer, hat uns sehr gut betreut, obwohl er kein Wort englisch konnte. Er hat uns auf Seitenwegen noch mit seinem Mazda Coupé über Schotterstrassen zu einem Gletscher hochgefahren, uns zu einem guten Restaurant geführt und ist mit uns über die Hochebene bei Tashkurgant gelaufen, nach dem wir die Steinruinen der alten Stadt besichtigt hatten. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Ausritt mit dem „echten“ Jolly Jumper um den Karakolsee gemacht und ich musste feststellen, dass ich wohl doch noch etwas mehr Übung auf einem Pferd brauche, bevor ich meinen Jolly Jumper gegen sein natürliches Pendant eintauschen könnte um die Tour zu Ende zu bringen. Aber es war eine schöne Sache.
Somit war die Zeit in Kashgar schon bald zu Ende und mit ihr gingen auch die fünf Wochen China dahin. Es war eine sehr erfahrungsreiche und eindrucksvolle Zeit in diesem riesigen und abwechslungsreichen Land mit seinen vielen freundlichen Menschen, dem guten Essen, den atemberaubenden Landschaften, den speziellen Hotelausstattungen („Watch out for Landslide“)
und Tankgewohnheiten, der spirituellen Seite, den Klima- und topographischen Extremen und den allgegenwärtigen Vorschriften und der Bürokratie.
Nun schauen wir aber vorwärts Richtung Kirgistan und freuen uns darauf mal nicht nach Plan und Route gehen zu müssen, keinen Guide und einen ganzen (Überwachungs-)Staat im Rücken zu haben und unsere Freiheit zu geniessen. Mal sehen wie das wird....
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