Diese Seiten sollen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen von Unterwegs beinhalten. "Unterwegs" bedeutet in diesem Falle, die Strecke zwischen Vientiane, Laos und Bürglen, Uri. Das Abenteuer mit dem Motorrad von Laos in die Schweiz zu fahren startet am 23. April 2011 und wird voraussichtlich 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen ab und zu auf der Seite zu verweilen und in den Zeilen zu schmökern...

Dienstag, 14. Juni 2011

Yurt camps, Open Air Russendisko und die 2. Schweiz

Schon ist der Aufenthalt in Kirgistan wieder vorbei und es ist Zeit kurz zu reflektieren was uns dieses Land alles geboten hat. Kaum aus China raus kamen wir von der gelben Wüste in die grünen Hügel Kirgistans. Die Kamele wurden durch Pferde ersetzt, von denen es weit mehr als Menschen zu geben schien. Diese trabten über die saftigen Wiesen und bewegten sich frei von Zäunen in Herden ihrer Natur entsprechend. Abermals plagten wir unsere Motorräder über kilometerlange Schotterpisten um schliesslich in einem kleinen Seitental spät abends ein Yurt Camp zu erreichen. Dort wurden wir von den freundlichsten Gastgebern, die man sich vorstellen kann, herzlichst empfangen. Yuri und Solja bewirteten uns wie ihre eigenen Kinder (im wahrsten Sinne des Wortes). Solja stand beim Händewaschen mal hinter mir und krempelte mir die heruntergerutschten Ärmel meines Pullovers hoch, damit diese nicht nass wurden, oder sie sagte: "Chiir Simon, eat, eat" und gab mir eine weitere Schüssel vorzüglicher Suppe, oder Porrige, oder Pancake oder Schnaps. So fühlten wir uns all rund um wohl und hatten jetzt schon ein positives Gefühl mit Kirgistan. Als Yuri dann den Schnaps auspackte und wir uns nach draussen begaben, Solja den Radio rausbrachte und russische Tanzmusik abspielte und wir in der Nacht unterm Sternenhimmel, neben den Yurten im freien tanzten wurde uns allen klar: "Hier gehen wir auf jeden Fall irgendwann wieder mal her". Einen besseren Einstand in ein neues Land kann man sich wohl kaum vorstellen und so herzlich die Begrüssung so herzlich der Abschied. Yuri sagte uns dann, dass wir uns in ein paar Jahren sicher wieder sehen, wenn wir dann mit unseren Familien und unseren Kindern wieder bei ihm vorbeischauen. Mal sehen ob er recht behalten wird. Aber Kirgistan ist auf allefälle mal topgesetzt auf der "da-will-ich-wieder-mal-hin-Liste".

Die weitere Reise verlieh diesem Statement nurnoch mehr Durchschlagskraft. Das nächste Yurt Camp in dem wir übernachteten war am Song-Köl See. Dort wurden wir im Dunkeln empfangen und wiederum mit leckeren Suppen und frischem Fisch aus dem See verköstigt. Die kühle Nacht hier oben verbrachten wir auf dem Boden der Yurte, weich gebetet auf Matten und eingehült in unsere Schlafsäcke. Der Holzofen im Zelt sorgte für angenehme Wärme und einen guten Schlaf.

Die Strasse wandt sich dann am nächsten Tag durch weitere Täler mit klaren Flüssen vorbei an weiteren Pferdeherden hinunter zum Yssy-Köl, dem grössten See Kirgistan, welcher zu Sowjetzeiten als Kurort für alle Genossen diente. Zeitzeugen dieser vergangenen Tage sieht man entlang der Strecke genug. Viele heruntergekommene Hotels und Gästhäuser, Badeanstalten und der gleichen sind dutzendfach am Wegrand verteilt. In Karakol, am Ostende des Sees, schlugen wir dann für einige Tage unser Lager auf. Der See wurde auf seine badetauglichkeit geprüft, eine eher frische Angelegenheit und am nächsten Tag machten sich Horst und ich zu Pferd auf zu den Hot Springs oben in Altin Arashan. Sagte ich zu Pferd? Hmpfff....das war anfänglich der Plan. Wir begaben uns zum vereinbarten Treffpunkt, wo Pferd und Horse Guide auf uns warten sollten. Nach einer halben Stunde kamen dann tatsächlich mal drei Pferde an, aber der Guide liess weiterhin auf sich warten. Nach einigen Telefonaten und Vertröstungen auf die nächsten 10 Minuten war immer noch nix zu sehen. Als wir dann zwei Stunden und eine Salamibrotzeit später immer noch warteten hatten wir die Faxen langsam dicke. Unser Guide derweilen wohl mit Investitionen in hochprozentige Anlagen beschäftigt (anm.: Spekulation der Redaktion), organisierten wir uns einen Geländewagen, welcher von Vladimir mit äusserstem Geschick über die überaus holprige Piste gemsengleich nach Altin Arashan geführt wurde. Von all den "Strapazen" erholten wir uns beim dreistündigen Bad in den heissen Quellen. Unser "privates" Bad war in einem kleinen Hüttchen direkt am kalten Fluss. So wechselten sich heisse lange Bäder mit gelegentlichen kurzen Sprüngen ins eiskalte Flusswasser ab. Drei Stunden und zwei Bier später waren wir "totaaaaaaal relaxed" und zufrieden. Die Sache mit dem verkorxten Pferderitt war vergessen und wir schlummerten wie zwei kleine Babies friedlich in den Schlaf.

Am nächsten Tag machten wir dann die Bekannschaft mit Valentin, einem 60-jährigen Ex-Motocrossfahrer und -trainer, in dessen Guesthouse wir die Nacht verbrachten. Unter anderem bekamen wir von ihm noch einen Kontakt in Bishkek um unsere Bikes dort reparieren zu können (einige kleinere Sachen). Valentin war, wie es sich für die Kirgiesen gehört, wiederum sehr freundlich und offen und unterhielt uns mit etlichen Geschichten. Dann führte er uns noch zu einer natürlichen Hot Spring, welche in den Felsen eingebettet war und Horst und ich liessen uns nicht zweimal bitten und sprangen vor dem Abstieg (diesmal zu Fuss) nochmals in das warme Nass ein. Trotz dem Misslungenen Ausritt, war es ein absolut guter Ausflug und schliesslich waren wir zufrieden noch zu Fuss das Tal hinunter wandern zu können....Ende gut, Alles gut...nicht wahr?

Nach Karakol ging es dann weiter nach Bishkek, leider hielten wir uns in der Stadt nicht all zu lange auf und bekamen nur einen kurzen Einblick von der grünen, mit Parks und Bäumen durchzogenen, sehr gemütlich anmutenden Stadt. Nach dem wir unsere Bikes repariert hatten war wir noch zum "Z'Nacht" bei der Schweizer Botschafterin in Bishkek eingeladen. Ein vorzügliches Essen, ein "Schwumm" im Pool und einige sehr nützliche Informationen später machten wir uns dann am nächsten Tag auf Richtung Osh, wo wir die Grenze nach Usbekistan passieren würden.

Unterwegs übernachteten wir noch einmal am Fluss Naryn, entlange welchem unser Weg meist führte. Danach gings nach Jalal-Abad und am nächsten Tag nach Osh. Die Überquerung der Grenze ging problemlos über die Bühne. Auf der Uzbekenseite dauerte es zwar eine Weile, doch das ganze Huhn und Brot vom Vortag verkürzte unsere Wartezeit und da alle sehr freundlich waren machte uns das Warten auch nichts aus. So liessen wir also die 2. Schweiz (wie die Krigiesen ihr Land auch nennen) hinter uns und wir führen unseren Weg weiter, der Rest der Gruppe bis zu ihrem Ziel in Tashkent und ich, bis in die 1. Schweiz, meine Heimat.

PS: Wegen technischen Problemen war es leider noch nicht möglich Bilder zum Post hochzuladen, dies wird erledigt sobald möglich. Ich bitte die Leserschaft um Entschuldigung. Aber benutzt einfach eure Fantasie und stellt euch saftig grüne Wiesen, grasende Pferde, blaue Bäche, noch blauere Seen und zwei "Nackedeier" im Hot Spring vor, dann könnt ihr ungefähr erahnen was wir so alles gsehen und erlebt haben.....

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