Diese Seiten sollen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen von Unterwegs beinhalten. "Unterwegs" bedeutet in diesem Falle, die Strecke zwischen Vientiane, Laos und Bürglen, Uri. Das Abenteuer mit dem Motorrad von Laos in die Schweiz zu fahren startet am 23. April 2011 und wird voraussichtlich 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen ab und zu auf der Seite zu verweilen und in den Zeilen zu schmökern...

Sonntag, 15. Mai 2011

Vom Dach der Welt

Schöne Aussicht von hier oben, kühle saubere Luft und ein Hauch Spiritualität, die einen umgibt. Lhasa, das religiöse Zentrum des tibetischen Buddhismus und früherer Sitz des Dalai Lama, bevor die Chinesen den Laden aufgeräumt haben, faszinierte mich von Anfang an. Obschon der erste Blick auf die Stadt etwas ernüchternd ausfiel, da die chinesische Bauweise und Infrastruktur selbst vor den heiligsten Stätten keine Rücksicht nimmt und die freien Flächen zwischen den alten Gebäuden und Tempelanlagen mit neuen Läden, grossen Strassen und Fast Food Shops aufgefüllt wurde, kam beim genaueren Hinsehen der wahre Geist von Lhasa zum Vorschein. Im alten tibetischen Stadtteil sieht man hunderte von Pilgern, welche sich im Uhrzeigersinn ihren Weg durch die schmalen Gassen um die Tempelanlagen bahnen, leise Gebete vor sich her murmeln, oder sich immer wieder auf's Neue flach auf den Boden legen und beten. Alles in dieser Umgebung dreht sich um den Buddhismus und dessen Ausübung, man fühlt sich beim einfachen Zusehen schon irgendwie spirituell erleuchtet und spührt eine mystische Kraft, welche diese Orte umgibt. 
Pilgernde Tibeter

Die Krönung dieses Gefühls überkommt einen aber zweifelsohne beim Besteigen und Besichtigen des "Potala", dem einstigen Sitz des Dalai Lama. Die engen Gänge, steilen Treppen und riesigen Stupas kombiniert mit dem Geruch von Yakbutterkerzen, lassen einen fast in Trance durch diesen riesigen Palast wandern. Eine handvoll Mönche hier, Abbilder von früheren Dalai Lamas dort, Kerzenlicht durchflutete Räume, verwinkelte Gässchen, wieder eine steile Treppe, welche einen über ein labyrinthähnliches Wegsystem immer tiefer in die Gefilde eindringen lassen, all dies lässt einem beim Verlassen des Potalas mit erstauntem Blick zurück. Trotz oder gerade wegen seiner schieren Grösse, strahlt dieser Ort eine Ruhe und Gelassenheit aus, welche sich auf jeden Besucher überträgt. So schlängeln sich Touristenströme in völliger Ruhe durch diesen Tempel, um vielleicht irgenwo noch einen Gebetsstoss eines Dalai Lamas zu erhaschen, oder vielleicht auch nur weil ihnen vor Erstaunen die, schon so sehr dünne, Luft wegbleibt. Auf jeden Fall war dies eine sehr berührende Erfahrung.


Potala - Sitz des Dalai Lama bis zur Revolution 1959
Aufstieg zum Dach der Welt
Neben dem Potala gibt es in der näheren Umgebung aber noch weitere Klöster, welche vor der Revolution z.T. bis zu 7000 Mönche beherbergten. Zurzeit leben dort noch rund 600 Mönche und die Zahl wird durch chinesische Politik reguliert. Wir hatten das Glück im Sera-Kloster Zeugen einer Mönchsdebatte zu werden. Die Mönche versammelten sich im Innenhof des Klosters, die einen sitzend, die anderen stehend. Dann fingen die Diskussionen durch lautes Klatschen begleitet an. Die stehenden Mönche bombardierten die sitzenden mit Fragen, welche hungrig nach Antworten lächzten. Begleitet wurden diese Fragen durch eben dieses Klatschen. So kam in diesem Hof eine sehr spezielle Stimmung auf. Rund hundert Mönche quaselten wild durcheinander, bald ruhig, bald von der eigenen Energie überwältig, stürtzten sie sich in wilde Diskussionen mit ihrem Gegenüber. Die sitzenden Mönche versuchten dabei stets ihre Ruhe zu bewahren, während sich die Stehenden immer mehr in ihre Fragen hineinsteigerten. So sassen wir ruhig am Rande des Hofes und lauschten den Geschehnissen. Dann läutete eine Glocke und auf einen Schlag lösten sich alle Diskussionen auf, die Mönche sammelten sich alle in der Mitte und die Gäste (das waren wir) wurden gebeten zu gehen. Unser Guide sagte uns dann, dass nun Abgesandte der chinesischen Regierung den Mönchen eintrichtern, was sie wirklich zu denken hätten. Ich hoffe für das wohl der Mönche und der tibetischen Bevölkerung, dass sie dies nicht all zu sehr zu Herzen nehmen, aber da habe ich eigentlich keine Angst. 


Drepung Kloster - einst Heimat von 7000 Mönchen

Energie geladener Mönch im Sera Kloster...


...und die Diskussion ging weiter

All die Diskussionen machten Hunger und so genehmigte ich mir eine Portion Yakhaxen mit Kartoffeln. Leider freute sich mein Magen weniger über diese Mahlzeit und so verbrachte ich den ganzen nächsten Tag im Hotelzimmer ans Klo gefesselt. Einen Tag später, drei Kilo leichter und ein paar Suppen im Magen, ging es mir aber schon wieder besser.

Lhasa ist auf alle Fälle ein sehr spezieller Ort, wo es viel zu entdecken gibt, sei es in den verschiedenen Tempeln und Klöstern oder sei es in sich selbst und  seiner eigenen Spiritualität. Morgen werden wir diesen Ort wieder hinter uns lassen, doch ein Stück davon wird uns sicher auf der Reise begleiten und uns Schutz vor allen Gefahren auf dem weiteren Weg spenden.


Den Segen der Mönche im Gepäck, wird der Rest der Reise
wohl zum Kinderspiel

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