Heute war mit Abstand der hammer-geilste Tag der Tour bis jetzt. Gestern war schon absolute Spitze, mit super Strasse und schöner Landschaft – cruiser feeling satt. Aber was unseren Augen und den restlichen Sinnen heute geboten wurde, war echte Oberklasse. Atemberaubend, wunderschön, von einem andern Stern, Superlative, welche nur eben knapp an erlebtes herankommen (Anmerkung der Redaktion: Folgende Zeilen wurden mit einem erhöhten Endorphin und Adrenalinspiegel geschrieben, überspitzte Darstellungen können somit nicht ausgeschlossen werden).
| Über diese Brücke müssen sie kommen |
Zuerst ging es von Markam (einem Ort ganz im Osten Tibets – die Grenze zu Tibet haben wir Tags davor erfolgreich überquert) 3900 m.ü.M. entlang einer Schotterpiste, welche einen noch mehr durchgerüttelt hat als wenn man mit dem Rollstuhl vom Bürgler Altersheim über die Pflastersteine in den Gosmermarkt düst (und JAAA, ich habe das mal ausprobiert :-)) auf den 5008 m.ü.M. gelegenen Pass. Sauerstoffflaschen montiert und ein bisschen Reinhold Messner mässig die Gegend erkundet, bevor wir dann auf die Suche nach einem Rastplatz für den Mittag gingen. Die Schotterpiste hatte dann doch irgendwann nach 150km noch ein Ende und wir gelangten ins Tal hinunter. Kurz davor hatte ich noch einen Schreckmoment, als mich ein belämmertes Schaf zu einer Vollbremsung in einer Kurve auf Kies gezwungen hat. Mit katzenartigen Reflexen vermochten Jolly J. und ich uns aus dieser misslichen Lage zu retten und so kamen wir beide mit dem Schock davon.
| 150km Schotterpiste |
| ...doch der Pass naht |
| Mein erster 5000er - Passhöhe 5008 m.ü.M. |
Zu Mittag gabs dann Stroganov mit Nudeln aus der Vakuumtüte, frisch zubereitet mit aufgebrühtem Flusswasser. Dat hat jut getan. Gestärkt nahmen wir den nächsten Abschnitt der Tagesetappe in Angriff und als ob der 5000 und ein paar zerquetschte Meter hohe Pass nicht schon genug der Mühen Lohn gewesen wäre, kam nun eine der atemberaubendsten Strecken, welche sich ein Mensch und speziell ein Motorradfahrer wünschen kann. Zuerst gings durch ein faszinierendes Tal mit meandrierendem Fluss, weichen Hügelübergängen und karger Vegetation immer weiter flussaufwärts. Pferde säumten das Flussufer und wurden bald durch Schafe, Ziegen oder yakähnlichen Kreaturen abgelöst. Die Sonne legte all dies in wunderschöne Farben und erwärmte unsere schon arg in Mittleidenschaft gezogenen Körper. Die Strasse war in top Zustand und so kam es, dass wir alle den Gashebel etwas aufschraubten und mit Wind im Haar über den Asphalt flitzten, vorbei an all dem Dargebotenen um nach jeder zweiten Kurve wieder fassungslos ob all der Schönheit der Natur stehen zu bleiben um erneut die Kamera zu zücken. Zuweilen kam in mir ein Glücksgefühl beim Fahren durch diese Landschaft zustande, welches ich auf diese Weise noch nie erlebt habe. Schwälle von Glückshormonen schienen sich wellenförmig durch den Körper auszubreiten, ich begann laut zu Jauchzen und zu singen, führte imaginäre Telefonate mit Freunden, mit welchen ich diese Augenblicke gerne geteilt hätte (Büschi, viellicht hesch ja epis gmerkt :-)) und so fuhren wir Stunden weiter, um bei jeder Ecke, jedem Hügel und jeder Kurve erneut überrascht zu werden. Immer dachten wir...“Ahhhhhh, das ist Hammer, so kanns bleiben, das kann ja nicht mehr besser werden“ um gleich bei der nächsten Kurve eines besseren belehrt zu werden. So kletterten wir von Talböden über weitere Hügel den nächsten Pässen entgegen und absolvierten nicht weniger als vier am heutigen Tag, wovon der kleinste etwas unter 4000m hoch war. Satte Wiesen, wechselten sich mit grünen Wäldern ab um bald darauf von Steppen ähnlicher Vegetation abgelöst zu werden und ab und zu erhaschte man wieder einen Blick auf schneebedeckte Berge in der Ferne.
| Eines der schönsten Täler bis jetzt |
| Richtung Sonnenuntergang |
Nicht nur, dass die Natur sich heute von der schönsten Seite gezeigt hat, auch die chinesischen Strassenbauer haben ihr ganzes können offenbart. So kamen wir am Schluss über eine letzte Kuppe um auf der gegenüberliegenden Seite den Inbegriff einer kurvenreichen Passstrasse zu erblicken. Für einen passionierten Violisten ist es wohl das Grösste auf einer Stradivari zu spielen, so ist diese Strasse wohl das höchste aller Gefühle für den Motorradfahrer. Geschwungen, in den Hang hineingelegt, Kurve um Kurve ein Genuss und dies alles mit frisch aufgesetztem Belag, extra für uns montiert, so schien es.
| Ein Genuss für jeden Motorradfahrer |
Voll im Fahrrausch drin vergassen wir ob all dem ein wenig die Zeit und so schrieb die Uhr schon fast 21.00 Uhr als wir in die Nähe unseres Tageszieles kamen. Horst's Licht ging kurz davor flöten und so nahmen wir ihn in Geleitschutz mit unseren Laternen, als das angepeilte Ziel aber irgend wie immer noch nicht kommen wollte und Horst auch noch der Sprit ausging, mussten wir handeln. So stiegen wir irgend wo im nirgendwo von unseren Pferden ab und gingen in die nächst gelegene Hütte um Rat fragen. Wir wurden dann herzlichst in das Haus gebeten und bei einem Gläschen Bier und viel Gelächter, sei es weil Fotos gemacht wurden, oder ob der schieren Grösse Boris', bekamen wir dann mit, dass das Dorf, nach welchem wir suchten, nur 10km entfernt sei. So verabschiedeten wir uns nach ein paar weiteren Gläschen Bier von unseren freundlichen Gastgebern mit ein paar Schokoladenstücken und Süssigkeiten für die Kinder und machten uns im Dunkel der Nacht auf, unser Etappenziel doch noch zu erreichen. Endlich angekommen - noch Benzin aus der Spritzkanne an der Tanke gezapft und ins Hotel eingecheckt. Nach einem super feinen und schnellen Abendessen, plumpsten wir fix und fertig in unsere Laken, auf dass der nächste Tag genau so spannend, überwältigend und erfüllend werde. Das war echt ein Geilomat hoch 28 Tag....
Guät Nacht zämä
Im Dunkeln gestrandet bei einer netten tibetischen Familie mit ihren Kindern |
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