Diese Seiten sollen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen von Unterwegs beinhalten. "Unterwegs" bedeutet in diesem Falle, die Strecke zwischen Vientiane, Laos und Bürglen, Uri. Das Abenteuer mit dem Motorrad von Laos in die Schweiz zu fahren startet am 23. April 2011 und wird voraussichtlich 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen ab und zu auf der Seite zu verweilen und in den Zeilen zu schmökern...

Mittwoch, 3. August 2011

Merhaba Türkiye

Von Georgien bin ich in den Nordosten der Türkei vorgestossen und hab mich langsam Richtung Mittelmeerküste vorgearbeitet. Auf dem Weg dorthin hab ich mitten im nirgendwo mein Zelt aufgeschlagen und wurde am ersten Morgen vom „AAAALLLLAAAAAHHHHHHHHH, AAALLLAAAHHHHHHH, AAAAAAAAA“ des ansässigen Müezzins geweckt. Trotz der weiten Verbreitung des Islams in den Ländern, welche ich bisher bereiste, war dies das erste Mal, dass ich den Aufruf zum Gebet gehört habe. In den Ländern Zentralasiens wurde dieser Brauch nämlich von Gesetztes wegen verbannt. So sollten mich diese Gebetsrufe für die nächsten zwei Wochen begleiten und in Zeiten der zeitlichen Desorientierung ein kleiner Anhaltspunkt der Tagesperiode, in welcher ich mich befand, bieten.

Auf dem Weg zur Mittelmeerküste schaute ich mir noch den Berg Nemrut Dagi mit seinen überdimensionierten Skulpturen an und traf auf dem Gipfel ein paar nette junge Türken, mit welchen ich Wein trank und Lieder sang. Ok, sie sangen die Lieder, ich trank den Wein, weil mein türkisch für die Lieder leider nicht ausreichte. Aber da die Türken ein Volk von Sängern und Tänzernb sind, ging das so voll in Ordnung. Am Morgen gings dann um 4.30 Uhr, nach einer schlaflosen Nacht im freien (wer zum Teufel hat eigentlich diese scheiss Mücken erfunden?), hoch auf den Gipfel für den Sonnenaufgang. Ein Spektakel, welches wegen bedecktem Himmel dann leider wenig von selbem für uns übrig hatte.
Nemrut Dagi

So machte ich mich aber, für einmal, früh auf den Weg und das war für die bevorstehende 550km Etappe nach Göreme, im Herzen der Türkei und Kappadokiens, wohl auch die richtige Taktik. Als ich vor Schlafanfällen schon fast vom Moped purzelte, haute ich mir mein erstes Red Bull seit Monaten hinter die Kiemen und noch einen Kaffee oben drauf und siehe da, ich war fit wie das Eichhörnchen aus „Over the Hedge“ einem Schluck Energy Drink. So war es dann ein leichtes den Rest der Etappe noch hinter mich zu bringen und ich erreichte Göreme zur Sonnenuntergangszeit. Ein herrlicher Anblick der sich mir hier bot, eine Szenerie, die kaum mit etwas anderem zu vergleichen ist. Plötzlich erheben sich da, wie aus dem Nichts, Felstürme und -bänder aus der Steppe. Höhlenwohnungen, welche in diese Felsen gehauen wurden erinnern an die Flinstones und ich fing schon an in alter Fred-Feuersteinmanier mit den Füssen Gas zu geben um nicht gegebenenfalls aufzufallen :-) Die nächsten drei Tage hauste ich in einer Höhlenwohnung und erkundete die Umgebung. Die Byzantiner, welche hier hausten verstanden es nicht nur, wunderschöne Orte und skurrile Umgebungen zu ihrem zu Hause zu machen, sie wussten sich auch gute Verstecke zu bauen. So wurden unterirdische Städte gebuddelt, welche bis zu 10'000 Menschen aufnehmen konnten. Anfälle von leichter Panik und Platzangst könnten einem in diesen Gängen schnell einmal heimsuchen, vor allem wenn man wieder an einer der engsten Stellen gegen einen weiteren koreanischen Reisetrupp ankämpfen muss, die natürlich wieder genau in die entgegengesetzte Richtung pilgern. Ich war dann froh wieder Tageslicht und frische Luft zu erhaschen und so beliess ich es bei gesehenem und begab mich tags darauf mit vielen weiteren schönen Eindrücken aus der Türkei hinunter an die Mittelmeerküste.

Höhlenwohnung in Göreme - Fred Feuerstein hätte wohl ein "Jabadabaduuuuu"
rausgebrüllt bei diesem Anblick

Einengende Verhältnisse in den unterirdischen Stätten der Byzantiner

Ein paar der skurrilen Formen in der Umgebung von Kappadokien
 (mich wohl miteingeschlossen)

Azur blau, türkis, dunkelblau, hellblau.....in allen verschiedenen Variationen kam mir das Meer zu Gesicht, als ich der Küste entlang von Adana, über Antalya, nach Olympos, Kabak und Fethiye fuhr. Dabei gab es Tage, da sprang ich an drei verschiedenen Stränden, getrieben von der Hitze, angezogen von den rauschenden Wellen ins Meer und frönte dem kühlen Nass. Am Patara Beach, dem mit 20km längsten Strand der Türkei, in Olympos, wo schon die Griechen ihre von der philosophischen Plackerei gebeutelten Häupter abkühlten und in Kabak, einem abgelegenen Strand mit einer kleinen Aussteigergemeinde wurde ich immer wieder aufs Neue mit neuen Varianten von Stränden beglückt. Besonders angetan hat es mir letzterer, weniger wegen der Aussteigergmeinde Sache, doch mehr wegen der ruhigen Verhältnisse und der kleinen Ansammlung an Menschen, welche diesen Platz aufsuchen. So verbrachte ich zwei ruhige Tage in Kabak, bevor ich mich schweren Herzens vom Meer losriss um wieder ins Landesinnere zu fahren. Auf dem Weg quer durch Anatolien nahm ich noch Pamukkale mit, eine alte römische Siedlung mit Badeanlage und wasserüberfluteter Terrassen (eine Art Alpamare ohne Rutschbahnen könnte man sagen).Man kann ja viel von unseren südlichen Nachbarn halten, aber nebst Pizza und Pasta verstehen sich die Jungs in der Zelebrierung des Bades und der Kunst. So war neben der grosszügig angelegten Badeanstalt auch noch ein Amphitheater vor Ort und eine Latrinenanlage bei der du dir gleich vor Erfurcht noch ein zweites Mal in die Hosen machst. Kurz gesagt eine von Planung und Durchführung her durchaus gelungene Sache dieses Pamukkale. Ob die auch den Spardelfin, wie im Moosi brauchten, um das alles bezahlen zu können wird wohl nie ganz geklärt werden können. Auf jeden Fall ging ich dann am nächsten Tag sehr entspannt an die letzte Etappe in der Türkei, nämlich zum Schlussbouquée nach Istanbul, aber das ist eine andere Geschichte....
Einsamer Strand von Kabak...

...mit hammer Farbe

Die Terrassen von Pamukkale

Das antike Bad in Pamukkale
(wegen dem Menschenauflauf hab ich mir das dann nicht angetan)

Amphitheater in Pamukkale -
wär mal was fürs OpenAir St.Gallen, so eine Bühne

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