Diese Seiten sollen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen von Unterwegs beinhalten. "Unterwegs" bedeutet in diesem Falle, die Strecke zwischen Vientiane, Laos und Bürglen, Uri. Das Abenteuer mit dem Motorrad von Laos in die Schweiz zu fahren startet am 23. April 2011 und wird voraussichtlich 3-4 Monate in Anspruch nehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen ab und zu auf der Seite zu verweilen und in den Zeilen zu schmökern...

Freitag, 29. April 2011

Dali Dali!!!

Nicht das wir Stress hätten, aber es geht einfach recht zügig voran im Moment und so stehen wir nach 6 Tagen Motorradfahrt bereits in Dali. 2000km liegen zwischen Vientiane und unserem jetzigen Standpunkt. Der Weg führte uns über kühle Pässe (bis 2400m hoch), vorbei an saftig grünen Reisfeldern, leuchtend gelbem Getreide, mit roter Erde gesäumten Hängen und schokoladenbraunen Matschstrassen mit sanft geschwungenen Pfaden über Hügel und durch Täler, durch grosse, stinkende Industriestädte mit 8 spurigen  Strassen und Kreuzungen so gross wie Fussballfelder, durch kleine gottverlassene Nester, vorbei an Stahlwerken und Ziegelfabriken und hunderten mit Spaten bewaffneten Feldarbeitern in immer höher gelegene Gebiete in eben dieses Dali. Landschaften zogen an uns vorbei wie Filmbänder, zwischenzeitlich gleiteten wir auf frisch geteerten Strassen dahin um zwei Kilometer später wieder wie in der Wäschetrommel durchgeschüttelt zu werden, wenn sich der Belag plötzlich im Nichts auflöste und alles was blieb Steine und Erde war. Doch was da auch kommt, wie steinig oder leicht der Weg ist, die Gruppe hält zusammen. Der Spirit in der Crew ist nach wie vor hervorragend, nicht zu letzt auch wegen des immer wieder hervorragenden Essens, welches uns immer wieder aufs neue Energie für weitere harte Stunden Fahrt gibt. Doch wie zum Teufel bestellt man auf chinesische Essen, wenn man kein chinesisch spricht? Zum einen, man nehme einen Horst, der spricht chinesisch, zu mindest so viel, dass es immer für lecker Essen und für Richtungsangaben beim gelegentlichen Verlust der Orientierung reicht. Zum andern, man nehme die chinesische Speisekarte....die Küche. Man läuft direkt mal in die Küche rein, schaut sich die Regale und den Kühlschrank an und sucht sich ein paar gute Zutaten aus...meist etwas Fleisch, ein paar Gemüse, Tofu und Pilze. Dann gibts erstmal ne Tasse heissen Tee und 10min später hat man einen reich gedeckten Tisch mit fünf verschiedenen Gerichten und einem Topf mit Reis der für eine halbe Armee reichen würde. Na dann, hau rein alter Junge.....mampf mampf...ist das lecker. So geht das bis jetzt jeden Tag und das Essen wird immer noch besser....einfach hammer!!! So wird der Bikerhunger gestillt und Energie für die Weiterfahrt getankt....und so schafft man es dann auch locker die 2000km ohne grössere Probleme zu überstehen.


Reisfelder entlang des Weges

Passstrasse

Den Pass bezwungen

Speisekarte auf chinesisch

Und das Resultat der Auswahl....köstlich!!!

Dali, nun, Dali ist eigentlich ein gemütliches Fleckchen. Nach dem wir die Neustadt von Dali durchquert hatten, welche mit einem 8-spurigen, Flugfeld ähnlichen Zubringer erreicht werden konnte und voll mit neuen westlichen Geschäften und geistesgestörten hupenden, die Bremse-zu-hause-vergessenden Taxifahrern ist, gelangten wir schliesslich in das alte Dali. Eine dicke Stadtmauer umrahmt das Städtchen, welches voll mit kleinen Läden und Restaurants ist....uuuuund hunderten von chinesischen Touristen. So fühlt es sich für uns trotz des touristischen Flairs, trotzdem wie echt-China an, da alle um uns herum Chinesen sind. Alles in allem ein schönes Dorf und ein guter Platz um mal einen halben Tag auszuruhen und Pause zu machen. Morgen gehts dann weiter nach Lijang, welches nur etwas mehr als 150km von Dali entfernt im Norden liegt. Bis dahin gönn ich mir noch ne Mütze Schlaf und probier vielleicht mal das beheizte Bett aus :-)

Zentrum von Dali

Dalis Strassen


Montag, 25. April 2011

Ik bin ein Kinese

Nach kurem Ritt am Montagmorgen waren wir schon an der Grenze zwischen Laos und China angekommen. Nun stieg die Spannung ob alles mit dem Papierkram klappen würde, ob Mani mit seinem Truck durch die Kontrollen kommt und ob unser Guide für China auf der anderen Seite auf uns wartet. Auf der laotischen Seite gabs schon die ersten Probleme, da sie uns nicht ohne Exportpapiere durchlassen wollten. Horst hat das aber mit seinen lao-skills gut gemeistert und nach einem kurzen Gespräch mit ein paar Vorgesetzten, hat er dem Stempeltypen im Häusschen einfach gesagt, dass der Chef gesagt hat es sei gut und er uns die Stempel geben soll....hat der Chef aber überhaupt nicht gesagt, aber der Trick hat wunderbar funktioniert. So waren wir also aus Laos raus und nun ab nach China. Schon an der Aufmachung des Grenzübergangs konnte man erkennen, das es in China wohl einwenig anders aussehen würde als in Laos. Alles war gepflegt (bis auf die überlaufenden Toiletten), es hatte schöne Blumen, eine grosse Halle und die Strasse war in einwandfreiem Zustand. Doch wie sah es hier mit unseren Papieren aus? Ye, ich nennen in Yeah, ist unser Guide und wir haben ihn tatsächlich an der Grenze getroffen. Mit seiner Hilfe war das ganze Prozedere ein Leichtes und wir waren ratz-fatz über die Grenze rüber.


Grenze zwischen Laos und China



Der Papierkram für die Bikes dauerte aber noch etwas länger, auch deshalb, weil der Chinese gerne mal von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr Mittagspause macht. Dies taten wir ihnen gleich und so verpflegten wir uns während wir auf die Papiere warteten im nahe gelegenen Mohan. Von Mohan machten wir uns dann mit samt den Papieren auf den Weg nach Jinghong. Dies war eine erste Erfahrung mit dem chinesischen Verkehr. Da wir die Zeit etwas falsch einkalkuliert hatten und etwas später unterwegs waren wurde es am Ende des Trips dunkel und so fuhren wir noch zwei Stunden durch die Nacht. Leider hatten aber nicht alle die Sache mit dem Licht und der Dunkelheit im Griff und so tauchten da plötzlich wieder unbeleuchtete Traktoren auf der Autobahn auf, welchen man im letzten Moment noch ausweichen konnte, oder auf der anderen Seite kamen einem Autos mit Volllicht entgegen, "Hauptsache ich seh was" ist hier die Devise. Gegen 22.00 Uhr Abends schafften wir es dann aber doch noch nach Jinghong, welches in einer Disneyland ähnlichen Beleuchtung erhellt war. Überall waren Neonlichter und Schilder angebracht, Brücken waren beleuchtet und Bäume bestrahlt. Alles ein bisschen pompöser, heller, grösser in China. So kam es, dass wir alle ziemlich abgekämpft und müde im Hotel ankamen. Nach hervorragendem Essen schliesslich, fielen wir alle totmüde in unsere Laken und waren froh heile angekommen zu sein. Am nächsten Tag wurde auch sogleich beschlossen, dass solche wir-fahren-in-China-durch-die-Nacht-Aktionen besser die Ausnahme bleiben sollten. Wohl eine vernünftige Entscheidung.

Jinghong
Kurz gesagt: Wir habens nach China geschafft, das Essen ist lecker, die Strassen gut, der Verkehr noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten sind wir alle wohlauf und zuversichtlich für die kommende Strecke. 

Sonntag, 24. April 2011

And off we go!!!

Die Crew: Horst der alte Tourenbär, Sleschi der Bärtige, Conny und Boris "the Honeymooners"
+ Kinder von Horst (kommen uns in Lhasa besuchen)

Samstag 23. April 2011 06.00 Uhr, aus den Federn alter Junge, auf, auf ins Abenteuer. Noch kurz die restlichen Sachen zusammen packen, alles aufs Motorrad schnallen und ab geht's zum Frühstücken mit den Weggefährten. Laos schien traurig zu sein über unsere Abreise und so vielen einigä Tränen vom Himmel, sprich es tröpfelte leicht. Wir liessen uns aber von diesen Umständen nicht beirren und bahnten uns unseren Weg Richtung Norden, Richtung Luang Prabang. Zwischenzeitlich wurden wir von häftigeren Schauern begleitet und so musste schon der Regenkombi zum ersten Mal seine Dienste verrichten. Als dann auch noch stockdicker Nebel über die Bergketten hängte wurde uns spätestens bewusst, dass wir hier nicht auf einer einfachen Fahrt ins Blaue waren, sondern dass dieser Trip körperlich wie mental einiges von uns abverlangen wird. Unterwegs hatte ich schon den ersten kleinen Schreckmoment, als ich plötzlich komische Geräusche von meinem Motorrad hörte. Bei einem Kontrollblick in der Pause stellte sich dann heraus, dass die Toolbox, welche wir aus Gewichtsgründen vorne am Motorschutz montiert hatten, durch die vielen Schläge und den damit entstandenen Kontakt mit dem Rad halb abgeschlagen wurde. Das hiess, Werkzeug entnehmen und irgendwo anders unterbringen und am Abend die Toolbox abmontieren. Somit waren erste Verluste schon zu  vermerken, aber solange es bei solch kleinen Dingen bleibt sind wir zufrieden. Schliesslich schafften wir es nach 9-stündiger Reise, müden Armen und dem ersten, aber sicherlich nicht letzten, tauben Gefühl im Allerwertesten, nach Luang Prabang. Wir gönnten uns ein vorzügliches Nachtessen, da Conny an diesem Tag noch Geburtstag hatte. Der erste Tag der Reise ist geschafft, alles hat gut geklappt und wir sind voller Tatendrang in den zweiten Tag gestartet. Der Weg führte uns über holprige Strassen, welche mit Hühnern (einige haben unsere Durchfahrt nicht ganz heil überstanden), Schweinen, Ziegen, Kühen und Büffeln gesäumt war, vorbei an kleinen Dörfern, winkenden Kindern und staunenden Laoten. Namtha in Luang Namtha war dann unser Nachtlager von wo aus wir die chinesische Grenze schon fast greifen konnten, denn die Überquerung der Grenze zu China ist unser nächstes Ziel.

Freitag, 22. April 2011

Der Segen sei mit euch

Nun geht's ans Eingemachte. Bevor wir aber richtig losgelegt haben mit unserer Tour haben wir am Donnertag noch eine traditionelle laotische Zeremonie "Basi" abgehalten. Dabei wurden wir und unsere Bikes von einem Zeremonienmeister mit gutem Segen, viel Glück und Gesundheit und allem erdenklich guten eingedeckt. Unsere Truppe und eine handvoll Freunde versammelte versammelten sich bei Conny zu hause, wo die Wohnung feierlich für die Basi eingerichtet war. Ein schöner Teppich, Blumengesteck, viele weisse Bändchen, Eier ein totes Huhn und vieles mehr Schmückte den Raum. Dann musste wir Reisenden um das Blumengesteck knien und uns mit den weissen Bändchen mit einander verbinden damit der Segen alle erreichte. Der Zeremonienmeister parbbelte dann für mich unverständliches Zeugs vor sich hin (ich nehme an nur Gutes) und am Ende konnten alle Freunde uns die Glücksbänder im die Handgelenke binden, alles Böse von uns weisen und uns viel Glück mit auf die Reise geben. War schön noch so einen traditionellen Anlass mit auf den Weg zu nehmen und mit all den vielen Glückwünschen kann  nun eigentlich nichts mehr schief gehen. Wir sind gestärkt und ready für den Trip.

Alles Böse raus, alles Gute rein...soo soll es sein

Donnerstag, 7. April 2011

Laosuri


...für die einen ist es eine 13-stündige Flugreise, für die andern, die wohl abenteuerlichste Reise ihres Lebens...
Doch von Anfang an: Alles begann mit dem Zivildienst in Laos und dem Abschied von den Freunden zu hause. „Tschau Freunde, macht’s gut. Vielleicht kauf ich mir ja dann ein Motorrad und fahr der Küste in Vietnam entlang oder komm gar mit dem Motorrad von Laos nach Hause!“, sagte er bevor er ging. Mehr Hirngespinst als fixer Plan und ohne jegliche Vorstellung, was es alles brauchen würde um eine solche Reise zu organisieren, machte ich mich zusammen mit diesen Gedanken im Kopf auf, meinen Zivildienst in Laos zu absolvieren. In den nunmehr fast 6 Monaten im fernen Südostasien hat sich einiges geändert. Der zwischenzeitliche Plan nach dem Dienst noch zwei Monate in Südostasien herumzureisen, ist dem Vorhaben mit dem Motorrad von Laos in die Schweiz zurückzukehren gewichen.  So wurde aus Hirngespinst und Utopie, greifbare Realität und je näher das Ereignis rückt, desto mehr wird mir das bewusst.
Alles ergab sich mit dem Kontakt zu „Conny“, einer Schweizerin, welche hier in Laos ihr PhD in Geographie erarbeitet. Bei ihr fand ich Unterschlupf im ersten Monat nach Ankunft in der ungewohnten Umgebung. Diverse Gespräche brachten uns zum Thema „Reisen“ und sie erzählte mir von dieser Gruppe, mit der sie eine Motorradreise von Vientiane, Laos nach Tashkent, Uzbekistan plant. „WAAAAASSS, das isch ja Hammer“, war meine Reaktion und die Trampelpfade im Hirn begannen zu leuchten und führten zu jenem anfänglichen Hirngespinst einer Motorradreise zurück in die Schweiz, welches nun zum Greifen nah schien. Mit glänzenden Augen und feurigem Geist durchbohrte ich Conny mit etlichen Fragen zu diesem Unterfangen.  Schliesslich fassten wir den Entschluss, dass ich versuche sollte in der Gruppe Fuss zu fassen und so „bewarb“ ich mich schliesslich um einen Platz in dieser.
Die Gruppe, welche diesen Trip schon seit Monaten plante, war verständlicherweise am Anfang etwas skeptisch ob dem Schweizer Jungspund, der da plötzlich aus dem Nichts auftauchte. Nach einigen Treffen jedoch war es vollbracht, ich wurde integriert und war nun Teil dieses Abenteuers. Anfänglich bestand die Truppe aus fünf Deutschen, welche von Laos nach Deutschland fahren wollten. Zwischenzeitlich gab es aber etliche Mutationen und Änderungen am Plan und so setzt sich die Abenteuer-Crew nun aus einem Deutschen, einem Australier, einer Schweizerin, einem Österreicher mit seinem Truck und mir selber zusammen. Horst der tourenerfahrene Deutsche, war anfänglich Willens, mit mir zusammen die Fahrt bis zurück nach Deutschland/in die Schweiz fortzusetzen. Die zur Verfügung stehende Zeit machte ihm aber schliesslich doch noch einen Strich durch die Rechnung und so war ich wieder allein mit dem altbekannten Hirngespinst. Was tun nachdem wir in Tashkent angekommen sind? Die Vorstellung mit dem Motorrad halb um die Welt zufahren um in der Heimat anzukommen liess mich nicht mehr los. Vielleicht ist dies „mein“ grosses Abenteuer, das Erlebnis meines Lebens, dachte ich mir. Angetan von den alten Geschichten von weltenentdeckenden Seefahrern, Abenteurern und der alten Indiana Jones Saga spürte ich in mir den Drang die Reise auch alleine fortzusetzen. Ich werde jene alten Pfade bereisen, welche Verbindung verschiedener Kulturen waren und sind, auf denen Güter halb um die Welt transportiert wurden, wo Geschichte greifbar nah ist. Heute fliegt man einfach über diese Pfade hinweg,  kürzt die Strecke auf wenige Stunden ab, welche früher Monate in Anspruch nahm. Zentralasien als blinder Fleck auf der Landkarte, mit verwirrenden Namen und Grenzen ist für viele eine unbekannte Gegend, so auch für mich. Nicht vieles ist mir bekannt von diesen Ländern und dies weckte umso mehr den Entdeckergeist in mir. So machte ich mich daran meine Weiterreise alleine zu planen. Dies war auch der Zeitpunkt, meinem einzigen Weggefährten, der treu zu mir hält, seinen Namen zu verpassen. Jolly Jumper, oder Jolly J. soll es heissen. Die Rede ist von meinem Motorrad. Mit den Gedanken des „Lonely Cowboys“, der alleine westwärts in den Sonnenuntergang reitet, kamen mir die Schlussszenen der Lucky Luke Comics in den Sinn. So war es geschehen, die Suche nach einem Namen hatte ihr Ende gefunden und so werde ich auf Jolly J. meinen Weg Richtung Westen, Richtung Heimat antreten.
Zuerst mussten aber noch die diversen Visa für die zu passierenden Länder für den ersten Teil der Reise beschafft werden. Die geplante Route führt uns von Laos über Yunnan (China) nach Tibet, von dort aus werden wir die tibetische Hochebene passieren und nach Kirgistan fahren und dort einige Zeit verbringen. Die Reise führt uns dann über einen kurzen Abstecher nach Kazachstan in den Norden von Uzbekistan nach Tashkent. Dort werden die restlichen Gruppenmitglieder mit samt ihren Motorrädern zurück nach Bangkok fliegen um über den Landweg dann wieder nach Vientiane, Laos zu gelangen. Wir werden vor ihrer Abreise noch einige kleinere Touren von Tashkent aus machen, bevor es dann ans Abschied nehmen geht. So weit sind wir aber noch nicht. Erst musste ja noch alles organisiert werden, wobei wir zurück beim Theama Visumbeschaffung wären.
Dieses Unterfangen stellte sich als eine der grössten Hürden der modernen Menschheit heraus. Man fühlte sich bald in ein Irrenhaus versetzt mit all den wirren Formularen, Dokumenten und Vorschriften der einzelnen Länder. Hinzu kam noch, dass ausser China, keines dieser Länder eine Botschaft in Laos hat. Dies machte es uns nicht unbedingt einfacher. So wurden Pässe nach Bangkok gebracht um Kazachstan- und Uzbekistanvisum zu beschaffen. Zeitliche Verzögerungen führten zur Rückreise von Bangkok mit allen Pässen, aber ohne ein einziges Visum. So wurden die Pässe eine Woche später nochmals nach Bangkok geschickt, wo ein Freund für uns die Visa endlich abholen konnte. So dauerte der von den Botschaften auf drei, resp. sieben Tage festgelegt Prozess rund drei Wochen. Zwei der vier Visa waren erledigt. Kirgistan war das nächste Land auf der Liste. Da es wiederum andere Vorschriften für Australier und Europäer gab, mussten wir dort in die Trickkiste greifen. Über einen Visa-Dienst in Australien liessen wir uns ein Gruppenvisum beschaffen. Der Vorteil daran war, wir mussten unsere Pässe nicht abgeben und so konnte ich mich unterdessen an die Beschaffung des Aserbaidschanvisums machen. Denn meine Route führt mich dann von Uzbekistan weiter nach Turkmenistan, von wo aus ich die Fähre über das Kaspische Meer nach Baku, Aserbaidschan nehme (die Route durch den Iran wurde wegen Schwierigkeiten mit dem Visum, wegen den Unruhen, und zusätzlich erforderlichen Motorradunterlagen ad acta gelegt).  So ging mein Pass auf die Reise in die Schweiz, wo ein Visabüro sich daran machte mir mein Visum zu beschaffen. Klar mussten auch hier zuerst wieder Einladungsbriefe von ansässigen Tourismusfirmen eingeholt  werden und imaginäre Reisepläne ausgeheckt werden, um die offiziellen Gemüter zu besänftigen und die Ausstellung des Visums zu gewährleisten. Dies war eine Tortur, welche für alle Visa in ähnlicher Art und Weise absolviert werden musste. Nach drei Wochen bangen und hoffen hatte ich dann aber tatsächlich meinen Pass wieder in den eigenen Händen und das Aserbaidschanvisum glänzte mit handgeschriebenem Text neben all den anderen Visa. Alles in Allem, mit herumsenden des Passes, Einladungsbrief, Visabüro etc. hat mich das Aserbaidschanvisum schlappe 500 Sfr. gekostet. Da brat mir einer einen Storch, dachte ich mir, geschenkt wird einem ein Abenteuer dieses Ausmasses also nicht und am Ende der Reise habe ich wohl nicht mal haufenweise Seide und Gewürze zum verkaufen, obwohl der „Donnschtigsmärcht“ auf dem Lehnplatz an solch erlesener Ware wohl interessiert wäre. Dies würde wohl aber definitiv die Packmöglichkeiten meines motorisierten Untersatzes sprengen.  So sind Investitionen dieser Art als „Expeditionskosten“ abzuhaken und einmal getätigt, gleich schon vergessen. Denn hier geht es nicht um Geld, um Budgetreisen, um den 20-Dollar Ryanair Flug oder das Schnäppchen-all-inclusive Hotel in Mallorca. Bei dieser Reise ist der vielbesagte Weg das Ziel und so geht es um simplere und doch bedeutendere Dinge wie entdecken, erleben, sehen, staunen, begreifen, erlernen, bewundern, hinterfragen, erkennen, geniessen, aufnehmen, begehen, wandern, beschreiten, schweben, abheben und wieder landen. So freue ich mich nun, nach all den Strapazen mit der Vorbereitung (aus Überlegungen der Leserfreundlichkeit nicht gänzlich wiedergegeben), auf dass die Reise endlich beginnt. Alles hinter mir zu lassen, abzuschalten, die Sinne auf Empfang zu schalten und einfach unterwegs zu sein, nicht um möglichst schnell anzukommen, sondern um des Weges Willen, dies soll der Sinn dieses Abenteuers sein.