Freie Fahrt über die Brücke, ein breiter Fluss mit dunkelblauer Farbe fliesst unter dir durch...hmmm, ist das ein Fluss, oder was ist das genau? Das Schild "Welcome to Europe" auf der anderen Seite der Brücke beantwortete die Frage. Ich hab so eben den Bosporus überquert und hab seit rund 10 Monaten auf dem asiatischen Kontinent und nach drei Monaten Motorradreise wieder Fuss auf europäischen Boden gesetzt. Einen kurzen "Juuuchzer" konnte ich mir da natürlich nicht enthalten.
So bin ich dann schon mal mit einem guten Gefühl in die Stadt hinein gebraust und als ich so im Stau stand und um mich schaute, sprang mir ein Schild ins Auge "ATA Motors - KTM Shop". Ha, erwischt, da wollte ich nämlich später hin und dachte mir...."ach Gott, in dieser riesen Stadt diesen Shop zu finden wird wohl auch nicht ganz so einfach", aber manchmal, jaaa manchmal, da meint es der Zufall gut mit einem und ich fuhr da also geradewegs drauf zu. So hatte ich den nötigen Ölwechsel schon vor dem beziehen des Hotels erledigt, neue Reifen bestellt und das Moped für den Service angemeldet. Das Abenteuer Istanbul konnte also mit beruhigtem Gewissen angegangen werden.
So stürtzte ich mich Stunden später ins Getümmel dieser Metropole an der Grenze von Europa und Asien, diesem Platz der Geschichte, welcher immer wieder aufs neu seine Herrscher wechselte, Kulturen kommen und gehen sah und sich aufs neu wieder selbst fand. So zog ich munter drauflos durch die Gassen und lauscht hie und da einer Musikgruppe bis ich auf einmal ein paar Typen neben mir schweizerdeutsch sprechen hörte. Kurz um kamen wir ins Gespräch und sie führten mich zu einem Platz neben dem Galata Tower wo sich junge Istanbullus allabendlich versammeln um ein Bier zu trinken, zu schwatzen, philosophieren, singen und lachen. So pflanzten wir uns auch dort auf den Boden und mit der Unterstützung eines alten Mannes, welcher das Geschehen dort ein wenig unter seine Fittiche nahm und uns mit ein paar anderen Leuten ins Gespräch brachte, wurde unser Kreis immer grösser. Freunde von Freunden kamen dazu und bekannte der schweizer Jungs von gestern gesellten sich zu uns und so hatten wir eine muntere Runde und feierten bis in die frühen Morgenstunden. Da es uns so gut gefallen hat, verabredete ich mich mit den Schweizern für den nächsten Abend an selbem Ort. Daraus ergab sich dann eine weiter Nacht mit langer Feier und Abstecher in einen Klub und so zog sich auch die zweite Nacht in Istanbul bis in die Früh hin und der Spruch „Istanbul never sleeps“ wurde langsam zur „true story“.
| Rotes Tram in Istanbul |
| Gemütlicher Sitzplatz am Galata Tower - alter lustiger Mann, der uns in die Runde integrierte |
Den Tag hindurch schlenderte ich durch die Stadt und schaute mir einige der zahlreichen alten Moscheen an, die es in Istanbul zu bewundern gibt. In einer Stadt wo die „New Mosque“ schon rund 500 Jahre alt ist, wird man eigentlich auf Schritt und Tritt von Geschichte begleitet und schaut und staunt um jede Ecke. Ein sehr eindrücklicher und interessanter Ort dieses Istanbul, das war schon mal klar. Natürlich durfte auch die kulinarische Erfahrung nicht zu kurz kommen, so gönnte ich mir Mittags ein Balik Ekmek (Fisch sandwich) direkt vom Boot am Hafen und zog weiter um einige Stunden später mal wieder einen Kebap zu verputzen und zum Dessert ein paar Baklava. Hmmmmm......herrlich dieses Essen und es gibt’s immer und überall....sehr lecker und seeeeehhhhr gefährlich für hungrige Reisende wie mich :-) Beim kleinen Snack auf der Parkbank wurde ich mal wieder Zeuge einer dieser Zufälle, die das Leben manchmal so für einen übrig hält und die einem einfach verblüffen. Als ich so meine (naja, sagen wirs so....eher auf der trockenen Seite des Spektrums der Skala befindliche) Maiskolbe ass (das hat man nun davon wenn man mal versucht was gesundes zu essen) und hochschau, seh ich diese Frau auf der Bank gegenüber und denk mir....“hmm, das ist doch Stephanie, die ich in Göreme schon getroffen habe“, hatte dann aber Zweifel, weil die eigentlich gesagt hatte sie geht nach Indien weiter. Als sie dann aber aufschaut und mich sieht, wars klar...das ist tatsächlich Stephanie. So trifft man sich auf der Welt, fünf Tage nach Göreme, auf irgendeiner Parkbank in Istanbul, beide mit einem leicht ernüchternden Maiskolbenerlebnis in der Hand aber fasziniert von den Zufällen des Lebens. So hatte ich auch schon Gesellschaft für die nächsten zwei, drei Tage gefunden und schaute mir einige Sachen mit ihr zusammen an. Am nächsten Tag traf ich dann noch ihre Hosts, denn sie war als Couchsurferin unterwegs und wir hatten mit den lieben Leuten eine gute Zeit. Schauten den asiatischen Teil Istanbuls an, wurden lecker bekocht und tanzten und sangen, ganz nach türkischer Manier, in der Wohnung herum. Ein echt türkisch-istanbulischer Erlebnis dieser Abend.
| Balik Ekmek (Fischsandwich) - schwimmender Fischverkäufer |
| Aya Sofia |
| Tanzabend mit kulinarischem türkischen Essen |
Am nächsten Tag hiess es dann aber schon wieder Abschied nehmen von Istanbul. Nach fünf Tagen, welche vorbeigingen wie im Flug und mir eine Metropole der spezielleren Art näher brachten, eine interessante und lebendige Stadt mit vielen Facetten zeigten und in mir ein „da-geh-ich-wieder-mal-hin-Gefühl“ hervorriefen, war es Zeit meine Reise wieder fortzusetzen.Der Weg geht weiter in vier Tagen von Istanbul nach Podgorica, Montenegro, wo ich Sämi, einen Freund aus Studienzeiten abholen werde. Er wird mich eine Woche lang bis nach Zagreb begleiten, d.h. wir werden uns zusammen auf mein Moped quetschen und der Küste entlang durch Kroatien düsen. Ich freu mich schon voll darauf und wir werden sicher eine super Zeit haben....